fantastische Bücherwelt

von Büchern, Spleens & Listen

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Regine Leisner - Die Rabenfrau

Erscheinungsjahr: 2007
Gelesen im Dezember 2008

Vor 11.500 Jahren leben die Menschen in den bewaldeten Hügeln nördlich des Mains in kleinen Sippen und verehren eine Muttergottheit, die Große Frau Udonn. Das junge Mädchen Ravan wird von den Alten Müttern zur Vogelfrau geweiht, dazu bestimmt, die spirituelle Führerin ihres Stammes zu werden. Eine ehrenvolle Aufgabe, doch bald quälen Ravan beängstigende Visionen: Ein gewaltiger Vulkanausbruch steht bevor und wird alles Leben auslöschen! Wie kann sie die Eschenleute vor den entfesselten Naturgewalten retten? Godain, der Schamane des Stammes und ihr heimlicher Geliebter, verweigert ihr die Unterstützung. Er will, dass die Männer sich endlich gegen die sanfte Herrschaft der Frauen auflehnen. Die Spannungen erreichen einen Höhepunkt, als Ravan den Schamanen aus der Sippe verstößt - doch dann setzt der Feuersturm ein, und es geht nur noch ums Überleben. Gemeinsam müssen Ravan und Godain einen Weg finden, ihr Volk zu retten...

Ravan wird in einer Zeit des Umbruchs zur Vogelfrau und damit spirituellen Führerin ihres Stammes geweiht. Sie hat den Ruf der Göttin gespürt - ist dadurch aber nicht allwissend, sondern begegnet ihrer Aufgabe unsicher und mit vielen Fragen. Mir hat gefallen, wie genau wir ihren Weg und ihre Entwicklung zu einer weisen Vogelfrau mitverfolgen konnten. Durch das Aufbegehren der Männer gegen das Matriarchat und der Katastrophe eines Vulkanausbruchs hat sie es nicht leicht - was ihre Lehrerin Imtu im Voraus ahnte, ihre Ausbildung verlief deshalb womöglich auch etwas strenger.

Beeindruckt hat mich auch die Darstellung der Männer und ihrer Gründe für das Aufbegehren gegen die Macht der Frauen. Oft ist es ja leider so, dass diese dann plump als machtgierige Wesen dargestellt werden. Hier ist das komplett anders! Die Ungerechtigkeiten gegenüber den Männern werden aufgezeigt, jedoch ohne erhobenen Zeigefinger. Und es gibt ganz bestimmte Dinge, wofür sie kämpfen - z.B. darum, auch ohne eine Frau bei ihrer Sippe bleiben zu können und nicht wandern zu müssen.

Es gibt auch viele mystische Ereignisse, Elemente aus dem Schamanismus, die meine Neugier weckten. Dabei spürte ich schnell, dass hier jemand davon schrieb, der auch wirklich Ahnung von dem Thema hat und nicht nur einfach etwas geheimnisvolles in die Geschichte bringen wollte. Ich hatte auch den Eindruck, dass diese Erlebnisse nie ohne Grund beschrieben wurden, sondern immer der Verdeutlichung von Ravans Entwicklung dienten.
Die Auseinandersetzung der Götter fand für mich dann auf einer anderen Ebene statt, in der sie durch die Körper von Ravan und Godain handelten. Es tat mir weh, die beiden als Gegner zu sehen - aber vielleicht wäre das Ende der Geschichte auch ganz anders gewesen, wenn sie sich nicht so nahe gestanden hätten.

Zum Ende hin gab es einige Kapitel, in denen die Ereignisse nur kurz zusammengefasst wurden. Mich hat das nicht gestört, da ich diese als Übergang zum Ende der Geschichte empfunden habe. Das Buch hätte schon früher zu Ende sein können, aber so begleiten wir Ravan durch ihr komplettes Leben und verfolgen ihr letztes und so wichtiges Gespräch mit dem Raben, bevor es eine etwas andere Art des Happy-Ends gibt. Dieses für mich sehr runde Ende hinterließ mich sowohl glücklich als auch nachdenklich, und ich freue mich schon sehr auf die weiteren Bände.


Erster Satz
Tief atmete die junge Frau den beizenden Rauch ein.

Tereza Vanek - Die Träume der Libussa

Erscheinungsjahr: 2008
Gelesen im November 2008

Libussa, die jüngste Tochter der Herrscherin der Behaimen, lernt auf dem rauschhaft gefeierten Kupala-Fest den Bauern Premysl kennen. Bald schon reitet sie regelmäßig in sein Dorf, um ihn bei seiner Familie zu treffen. Doch eine Verbindung zwischen ihnen scheint unmöglich, vor allem dann, als Libussa zur Nachfolgerin ihrer verstorbenen Mutter gewählt wird. Libussa allerdings ist entschlossen, den Geliebten trotz seiner niederen Herkunft zum Gefährten zu nehmen. Listig belebt sie ein altes Ritual wieder, und der Trick gelingt: Die Göttin zeigt Premysl als den für Libussa vorbestimmten Ehemann. Doch nach kurzem Glück beginnt eine Zeit der Gefahren, die Frankenkrieger bedrohen die neu gegründete Stadt Prag und wollen den Behaimen gewaltsam das Christentum aufzwingen.

Die Geschichte um den Mythos der Libussa spielt vor dem Hintergrund der Gründung Prags Mitte des 8. Jahrhunderts und lässt sich flüssig lesen. Es fällt leicht, sich auf das Buch einzulassen und die verschiedenen Personen kennen zu lernen. Zu den Hauptfiguren konnte ich leider keinen richtigen Bezug herstellen, obwohl diese detailliert eingeführt wurden und ich auch immer nachvollziehen konnte, warum sie wie handelten. Bei mir fehlte einfach der Funke, das Emotionale, was einen mitfiebern lässt. Dafür gab es ein paar sehr interessante Nebenfiguren, über die ich gern etwas mehr erfahren hätte.

Im 1. Teil wird die Welt der Behaimen mit ihren Sitten, Göttern und Strukturen geschildert. Die Beschreibungen fand ich sehr realitätsnah und auch menschlich, da diese alte Kultur nicht nur als friedliches Volk dargestellt wurde - es gab auch Streitigkeiten und Intrigen. Teil 2 schildert die nun bekannte Welt aus Sicht der Christen, wodurch die Unterschiede, besonders was Glauben und Macht betreffen, deutlich werden.
Besonders gefiel mir die Entstehung der Stadt Prag. Angefangen hat es mit Libussas Vision, dann musste erstmal der richtige Ort gefunden werden - und schließlich der Aufbau der Stadt selbst, die Arbeit und Mühe, aber auch die Lebendigkeit der Bewohner. Das waren auch die Momente, wo ich gefühlsmäßig tief in der Geschichte war und neugierig verfolgte, was dort so alles vor sich ging.

Die Spannung nahm zum Ende hin immer mehr zu, es gab auch ein paar dramatische Ereignisse und ich musste mich sogar von meiner Lieblingsfigur trennen. Auch durch Libussas letzte Visionen fand ich das Ende sehr rund, und das Nachwort über den Libussa-Mythos im Lauf der Zeit hat mir gut gefallen.

Erster Absatz
Die Frau saß vor dem Eingang einer Höhle. Er hatte sie bereits von weitem gesehen, denn sobald der Mond hinter den Wolken verschwand, war ihr Lagerfeuer das einzige Licht in der tiefschwarzen Nacht. Sie musste sein Kommen bemerkt haben, hatte sich aber nicht in die Höhle zurückgezogen. Ihr Gesicht war den brennenden Holzscheiten zugewandt.

William Nicholson - Der Windsänger (Windsänger 1)

Erscheinungsjahr: 2001
Gelesen im Dezember 2008

In alten Zeiten, als der Windsänger seine Melodien über Aramanth erklingen ließ, waren die Menschen dort glücklich. Doch seit seine Stimme dem bösen Gott Morah ausgeliefert werden musste, ist Aramanth zu einer Diktatur geworden: Ein System unsinniger Prüfungen und Strafen macht den Bewohnern das Leben zur Hölle. Als die aufgeweckte Kestrel dem Druck nicht mehr standhält und offen rebelliert, bringt sie sich und ihre Familie in große Gefahr. Ihr bleibt nur die Flucht - zusammen mit ihrem Zwillingsbruder Bowman verlässt sie auf verschlungenen Wegen Aramanth. Wird es den beiden gelingen, die Stimme des Windsängers zurückzuholen und ihre Stadt zu retten? Eine wundersame und gefahrvolle Reise beginnt...

"Der Windsänger" ist der erste Teil der Trilogie um das Schicksal der Bewohner von Aramanth, die Geschichte ist aber in sich abgeschlossen. Im Mittelpunkt steht die fünfköpfige Familie Hath, die sehr liebevoll miteinander umgeht, besonders aber die Zwillinge Kestrel und Bowman.

Ich persönlich finde Wörter wie Toast, Limonade, Nationalhymne und Morgenmantel etwas unpassend für einen Fantasy-Roman - sie sind mir einfach zu modern. Hier scheint es so, als ob dadurch dem Leser der Einstieg in diese Welt einfacher gemacht werden soll. So wie das Leben in Aramanth beschrieben wurde, könnte diese Stadt auch irgendwo in der realen Welt existieren, nach und nach wird es dann aber doch etwas phantastisch - besonders auf der Reise zu ihrem Ziel, der Halle des Morah.

Das Buch fesselte mich recht schnell, was aber einzig an dem flüssigen Schreibstil und dem innigen Verhältnis zwischen den Zwillingen lag. Die Personen an sich waren mir zu flach und dadurch auch irgendwie egal, leider änderte sich daran nichts mehr. Überhaupt hätten der Geschichte ein paar mehr Details und Ausführungen nicht geschadet, so wäre sie wahrscheinlich auch etwas tiefgründiger geworden. An Potential mangelte es jedenfalls nicht, es gab einige schöne Ideen und unheimliche Bilder.

Erster Satz
Als die Fremden kamen, lebte das Volk der Manth noch in den niedrigen Jurten mit den Mattenwänden, die sie in ihrer Zeit als Jäger mit sich herumgetragen hatten.

Patricia McKillip - Erdzauber

Erscheinungsjahr: 2004
Gelesen im Dezember 2008

In einem Land, in dem die Zauberei seit langer Zeit verschwunden ist, muss der junge Fürst Morgon erkennen, dass seine Bestimmung, Herrscher zu werden, sich auf eine ganz andere Weise erfüllen soll, als er in seinen kühnsten Träumen erahnt hat. Denn ein rätselhaftes Sternenmal auf seiner Stirn deutet darauf hin, dass sich mit ihm eine uralte Prophezeiung erfüllen wird: Der Sternenträger kündet vom Ende eines Zeitalters...

Die Erdzauber-Trilogie besteht aus den Einzelbänden "Die Schule der Rätselmeister", "Die Erbin von Wasser und Feuer" und "Harfner im Wind". Die Geschichte ist voller Rätsel, Fragen und Andeutungen - sie ist nicht leicht zu durchschauen, kein gerader Weg sondern ein verschlungener Pfad liegt vor uns. Es gibt jede Menge Einzelheiten, auch was die Reisen und die Beziehungen zwischen den verschiedenen Personen betrifft. Besonders haben es mir auch die detaillierten Landschaftsbeschreibungen angetan. Ich konnte die verschiedenen Gegenden und ihre Bewohner sehr klar vor mir sehen, es war fast als ob ich diese Orte kennen würde.

Morgon, der Fürst von Hed, ist die Hauptfigur. Seine innere Zerrissenheit, das Sträuben gegen sein Schicksal und die große Verantwortung sind deutlich spürbar. Aber hat er eine Wahl? Mir hat gefallen, wie genau seine Welt und der Frieden auf Hed geschildert wurde, bevor die Reise losging und Antworten gefunden werden wollten. Man konnte miterleben, wie er Freunde fand und sein Geist immer stärker wurde. Aber auch Rendel, die Tochter des Königs von An, ist eine wichtige Figur, aus deren Sichtweise der zweite Teil größtenteils geschildert wird.
Die Autorin hat ein Talent dafür, einem Personen innerhalb weniger Sätzen nahe zu bringen. Zu manchen baute ich schnell eine so starke Bindung auf, dass sie mir nun sehr fehlen - ich denke da unter anderem an Har, dem König von Osterland.

Diese Welt ist voller Magie, auch wenn es am Anfang nicht danach aussieht, da die Schule der Zauberer in Lungold zerstört ist. Aber es gibt Gestaltwandler, die Macht eines starken Geistes, alte Zauberbücher, geheimnisvolle Ruinen, Gegenstände voller Magie - und das Landrecht, durch das der Landherrscher mit jedem kleinsten Stück seines Landes verbunden ist.
Es gibt eine große Bedrohung und auch zwei Schlachten, diese werden aber ohne viel Action und unnötige Gewalt beschrieben. Für Leser, die viel Action und nur wenig Beschreibungen mögen, ist das Buch darum wohl eher nichts.


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Erster Satz
Morgon von Hed begegnete dem Harfner des Erhabenen an einem Herbsttag in Tol, als dort - wie alle Jahre um diese Zeit - die Handelsschiffe zum Austausch ihrer Güter anlegten.

Daniela Knor - Nachtreiter (Elbensang 1)

Erscheinungsjahr: 2008
Gelesen im Dezember 2008

Über die Steppe Phykadoniens, die Heimat der beiden Krieger Braninn und Grachann, bricht ein unerklärliches Ereignis herein: Immerwährende Dunkelheit schiebt sich über das Land und vertreibt alles Licht aus dem Leben der Steppenreiter. Als ihr Herrscher Ertann sein Volk zum Krieg gegen das Nachbarland Sarmyn aufstachelt, ahnen Braninn und Grachann: Ertann selbst steht mit Dämonen im Bunde. Auf der Flucht verschlägt es die beiden Freunde ausgerechnet ins feindliche Sarmyn. Doch dort finden sie Hilfe. Zwei sarmynische Ritter und eine geheimnisvolle Reisende schließen sich ihnen an. Gelingt es den ehemaligen Gegnern, ihre Welt der dunklen Macht der Dämonen zu entreißen?

Das Buch wurde sehr schön und stimmig gestaltet - leider fehlt aber ein Hinweis darauf , dass es sich um den ersten Teil einer Trilogie handelt. Auch ein kleines Personenregister wäre am Anfang hilfreich, ist für mich hier aber nicht unbedingt notwendig. Zumindest hat sich meine anfängliche Verwirrung bezüglich der vielen Personen schnell wieder gelegt.

Die Geschichte ließ sich flüssig lesen, die Seiten flogen nur so dahin und ich befand mich schnell mitten in der Handlung. Es gibt mehrere Handlungsstränge, die früher oder später aufeinander treffen. Dabei fand ich es interessant, die Personen aus mehreren Perspektiven kennen zu lernen - das ergibt immer ein runderes Bild. Es gab sehr unterschiedliche Figuren, darunter auch einige, die man nur schwer einem "Lager" zuordnen konnte. Das macht es spannend, denn so wird oft die Gesinnung überdacht - und manchmal war das ein ganz schönes hin und her.

Neben der Weiterentwicklung der einzelnen Charaktere gefielen mir vor allem die verschiedenen Kulturen und das Spiel mit Vorurteilen. Bei aller Fremdartigkeit gibt es doch immer auch Dinge, die sich ähneln und durch die man aufeinander zugehen könnte.

Im Verlauf der Geschichte gibt es Entwicklungen, die abzusehen waren, aber auch viele Überraschungen. Und Momente, die meine grauen Zellen zum Arbeiten gebracht haben - ich mag es, wenn nicht gleich alles auf dem Silbertablett präsentiert wird, sondern man auch mitdenken muss.
Mit ein wenig mehr Tiefe bei den Figuren wäre Nachtreiter ein perfektes Buch für mich - allerdings kann ich mir auch gut vorstellen, dass das bei so vielen Hauptfiguren gar nicht so einfach ist...


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Erster Satz
Von bösen Vorahnungen erfüllt erwartete Haduri die Rückkehr der Späher.

Samantha Hunt - Nixenkuss

Erscheinungsjahr: 2006
Gelesen im Oktober 2008

Eine junge Frau in einer von Trinkern bevölkerten Kleinstadt an einer Felsküste hoch im Norden der USA: Sie wohnt in einem alten Seemannsheim mit sechzehn Zimmern, von denen die meisten leer stehen, weil niemals Gäste kommen. Sie ist unglücklich verliebt in den Fischer Jude, der im Irak im Krieg war und seitdem nur wenig spricht. Sie hat das trostlose Leben an Land satt. Sie sagt: "Okay. Scheiß aufs Festland. Ich bin eine Nixe."

Die namenlose Protagonistin erfuhr mit acht Jahren von ihrem Vater, dass sie eine Nixe ist. Anschließend ging er ins Meer, doch seine Leiche wurde nie gefunden. Seitdem sieht sie seine nassen Fußspuren, interessiert sich nur noch für Wasser und Wörter - und Jude. In den 33-jährige Kriegsveteran ist sie unglücklich verliebt, denn er ertränkt seine Erinnerungen und Gefühle im Alkohol.

In der hoffnungslosen und abweisenden Atmosphäre einer Kleinstadt irgendwo am Nordatlantik hat sich die Hauptfigur eine eigene Sicht auf die Dinge aufgebaut. Sie wirkt etwas durchgeknallt auf mich, ist aber durchaus bei klarem Verstand. Sie möchte der Trostlosigkeit entkommen und ist der festen Überzeugung, eine Nixe zu sein. Dazu führt sie sogar einen Test durch, und sie macht sich darüber Gedanken, was Jude durch ihre Nixen-Liebe zustoßen könnte.

Beim Lesen habe ich mich oft gefragt, was wahr und was ein Märchen sein könnte. Denn je märchenhafter die Ereignisse wurden, desto klarer und greifbarer wurde die Geschichte. Die Sprache ist vielfältig - leicht aber auch tiefgründig, phantasiereich und voller Bilder. Die Geschichte verwirrt, geht aber auch sehr nah und bleibt noch einige Zeit hängen. Ein besonderes Buch mit einer ganz eigenen Atmosphäre.


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Erster Satz
Der Highway führt von hier aus nur nach Süden, so weit nördlich leben wir.

Cornelia Funke - Tintenherz

Erscheinungsjahr: 2003
Gelesen im Oktober 2008

In einer stürmischen Nacht taucht ein unheimlicher Gast bei Meggie und ihrem Vater Mo auf. Er warnt ihren Vater vor einem Mann namens Capricorn. Am nächsten Morgen reist Mo überstürzt mit Meggie zu ihrer Tante Elinor... Elinor verfügt über die kostbarste Bibliothek, die Meggie je gesehen hat. Hier versteckt Mo das Buch, um das sich alles dreht. Ein Buch, das Mo vor vielen Jahren zum letzten Mal gelesen hat und das jetzt in den Mittelpunkt eines unglaublichen, magischen und atemberaubenden Abenteuers rückt - eines Abenteuers, in dessen Verlauf Meggie nicht nur das Geheimnis um Zauberzunge und Capricorn löst, sondern auch selbst in große Gefahr gerät...

Der Schreibstil ist flüssig und hat mich zum Weiterlesen animiert, ohne genau zu wissen warum. Vielleicht war es ja auch die Hoffnung, endlich einen Zugang zu der Geschichte zu finden - denn gefesselt hat mich das Buch nicht. Irgendwie kam ich über ein "nett" im negativen Sinn nie hinaus.

Die Grundidee war für mich weder überraschend noch neu (habe mich das schon als Jugendliche gefragt), was allein aber nicht so dramatisch gewesen wäre. Es kommt schließlich darauf an, was man aus dieser Idee macht. Der Ansatz war ja noch ganz gut, allerdings habe ich immer auf etwas mehr, auf eine Steigerung oder genauere Ausführungen gewartet.
Richtig schlimm fand ich dann aber die farblosen und flachen Figuren, nicht eine davon konnte mich reizen. Dabei gab es wirklich viel Potenzial, allein Mo und Meggie mit ihrer Bücherliebe. Und erst recht der mysteriöse Staubfinger!

Auch wurde ich nur selten überrascht, die meisten Entwicklungen waren schon sehr früh absehbar. Und dann dieses ewige hin und her, das fand ich irgendwann schon nervend. Na, wenigstens eine Emotion!
Den vielen Begeisterungsstürmen kann ich mich wirklich nicht anschließen, auch die liebevolle Gestaltung des Buches kann mir über den enttäuschenden Inhalt nicht hinweghelfen...



Erster Satz
Es fiel Regen in jener Nacht, ein feiner, wispernder Regen.

Brigitte Riebe - Palast der blauen Delphine

Erscheinungsjahr: 1996
Gelesen im Oktober 2008

Es ist geweissagt worden, dass nur Asterios, der Sohn der als Göttin verehrten kretischen Königin Pasiphae und eines geheimnisvollen Stiertänzers, Kreta vor dem Untergang retten kann. So wird Asterios zum ersten männlichen Priester der Insel, doch die unglückselige Liebe zu Ariadne, seiner Halbschwester, stürzt ihn ins Unglück. Der Roman erzählt nicht zuletzt auch vom Ende einer Epoche: Die Bronzezeit weicht der Eisenzeit, das Matriarchat dem Patriarchat, und die Festlandgriechen erobern die Vormachtstellung im Mittelmeerraum, die Kreta so lange innehatte.

Der Einstieg in diese Geschichte fiel mir nicht so leicht, wie bei anderen Büchern der Autorin. Vielleicht musste ich mich erst etwas auf diese für meine Verhältnisse sehr südlich gelegene Geschichte einstellen, auf Wärme und jugendliche Unbeschwertheit. Zudem haben mich anfangs die vielen Figuren verwirrt, auch wenn mir das Verzeichnis der Personen am Anfang des Buches sehr geholfen hat. Aber je mehr ich las, desto mehr faszinierte mich dieses Buch, in dem der bekannte Mythos um das kretische Labyrinth aus der Sicht der “Verlierer” erzählt wird.

Die Figuren wirken auf mich sehr menschlich mit ihren Stärken und Schwächen. Die Bandbreite der Charaktere war dabei sehr groß - es gab z.B. sympathische, machtgierige, geheimnisvolle, etwas nervende und auch wissbegierige Personen. Die vielschichtige Darstellung des Asterios hat mir sehr gefallen, ich hatte das Gefühl ihn wirklich zu kennen und bei seiner Entwicklung zu begleiten. Die Prüfungen fand ich dabei ebenso interessant wie seine seherischen Fähigkeiten, die Verbundenheit mit Merope und seine Freundschaft zu Ikaros. Dieser hat mich übrigens sehr berührt, seine Gespräche mit Asterios habe ich wirklich genossen. Auch wenn mir bei dem Namen natürlich klar war, dass ihm kein gutes Ende bevorsteht. Dummerweise habe ich ihn natürlich trotzdem sehr ins Herz geschlossen, ich scheine wirklich eine Schwäche für tragische Figuren zu entwickeln.

Die Landschaften, Orte, Personen und Ereignisse werden detailreich und ohne Hektik beschrieben. Angesichts dieser Zeit der Veränderung und der späteren Atmosphäre von Gefahr wirkt diese ruhige Erzählweise auf mich wie ein letztes Schwelgen in einer Kultur, die dem Untergang geweiht ist. Trotz der Zerstörung gelang es der Autorin aber, mich am Ende mit einem Gefühl von Hoffnung und Zuversicht zurückzulassen. Neben vielen anderen Emotionen, durch die ich noch länger in dieser wunderbaren Geschichte verweilen konnte...



Erster Satz
Der schwarze Vulkan hatte lange geschlafen.

Diana Marcellas - Mutter Ozean, Tochter See

Erscheinungsjahr: 2000
Gelesen im September 2008

Lange lebte das Volk der Sharia friedlich mit dem Seevolk zusammen, das sich an den Küsten des Sharia-Landes angesiedelt hatte. Doch die Angst der einfachen Leute vor den besonderen Kräften der Hexen wuchs – und gipfelte in einem schrecklichen Kampf, an dessen Ende sich nur wenige Sharia-Frauen retten konnten. Die junge Brierley ist eine der letzten Nachfahrinnen ihres einst so stolzen Volkes. Unerkannt lebt sie in einer der feindlichen Städte – bis eines Tages ihr Geheimnis entdeckt wird und für die Frau mit den geheimnisvollen Kräften eine gefahrvolle Reise beginnt...

Brierley lebt zurückgezogen auf einer kleinen Insel, wo sie ein Versteck ihrer Vorfahrinnen entdeckt hat. Unter anderem findet sie dort auch Tagebücher anderer Sharia-Hexen, in denen sie nach Hinweisen auf die Vergangenheit sucht. Denn sie fragt sich oft, ob ihre Vorfahrinnen wirklich so böse waren, wie es die Geschichten des Seevolks erzählen. Sie lässt sich als Heilerin von ihrer Gabe leiten und spürt vorab, wann sie wo gebraucht wird. Besonders gefällt mir die Art ihrer Magie, die Heilung erfolgt nicht einfach mit einem Fingerschnippen, sondern sie muss einen Teil der Schmerzen auf sich nehmen und später in einer Art Traum gegen das Untier antreten, welches sie nur mit ihrer Willensstärke bezwingen kann.

Die Geschichte wird sowohl aus Brierleys als auch aus Melfallans Sicht geschildert, welcher erst kürzlich zum Herzog geworden ist und sich nun mit politischen Interessen herumschlagen muss. Beide Charaktere werden detailliert eingeführt, man muss sie einfach mögen – auch wenn das schnell zeigt, wohin uns diese Geschichte führt. Trotzdem gibt es einige Überraschungen, besonders was die Magie der Sharia-Hexen und ihre Hinterlassenschaften betrifft.

In diese Welt konnte ich so richtig schön abtauchen, und habe mich auf keiner Seite gelangweilt. Es geht zwar um die Verfolgung der Hexen, um Macht und Politik – aber es bleibt auch genug Zeit für emotionale Momente, Freundschaft und die Gedanken der Figuren. Ein schönes Gesamtpaket, das liebevoll geschnürt wurde und ohne unnötige Action und perfekte Personen auskommt.
Der einzige Wermutstropfen war für mich, dass die Folgebände nicht mehr übersetzt wurden. Der Verlag hat nach eigenen Angaben aufgrund des in Deutschland nicht besonders großen Marktes für klassische Fantasy Ende 2004 beschlossen, sich in diesem Bereich nicht weiter zu engagieren. Die Geschichte kann man aber auch gut einzeln lesen, da sie einigermaßen abgeschlossen ist – auch wenn natürlich die Neugier auf die weiteren Entwicklungen bleibt.


Erster Absatz
Wenn die zweite Sonne langsam im Meer versinkt, kriechen die Schatten der Inseln an den Hängen der Küste empor, und die ausgefranste Silhouette der Bäume wird länger und länger; nach und nach verblasst das Grün jeder Schwarzkiefer und jeder Immerweide zu einem dunklen Schemen. Die letzten Sonnenstrahlen werden von der nackten Felswand zurückgeworfen, erwärmen die dünne Erdschicht der höher gelegenen Plateaus und beleuchten schließlich den Saum der obersten Baumreihe. Über dem Gipfel des Willenden geht im Osten der erste Abendstern auf, wie ein Leuchtfeuer für alle Wanderer, die ihren Heimweg antreten.

Ralf Schmitz - Schmitz' Katze

Erscheinungsjahr: 2008
Gelesen im September 2008

Hunde haben Herrchen, Katzen haben Personal.
Ralf Schmitz muss es ja wissen, denn seit 23 Jahren lebt er mit seiner Katze Minka zusammen. Wie WG-tauglich seine Mieze ist, davon erzählt der beliebte Comedian in seinem ersten Buch: Was tun, wenn die Katze aufs Klo muss, sich den Magen verrenkt, in die Pubertät kommt, das Liebesleben empfindlich stört oder an Alzheimer leidet? "Schmitz' Katze" ist pickepackevoll mit witzigen Anekdoten, hilfreichen Tipps und lustigen Gags, bei denen nicht nur Katzenfreunde auf ihre Kosten kommen!

Auch in seinem Buch ist Ralf Schmitz so witzig wie man ihn kennt, manchmal schießt er dabei etwas über das Ziel hinaus - was aber auch lustig sein kann. Jedenfalls hatte ich vom Lachen oft Tränen in den Augen. Außerdem war da in meinem Kopf seine Stimme, obwohl ich doch gar nicht soviel von ihm gesehen bzw. gehört habe.

In "Schmitz' Katze" erzählt er über sein langes Zusammenleben mit Minka. Wie er zu ihr kam, die Probleme der Namensfindung, ihre Erlebnisse und Angewohnheiten, Unterschiede beim Zusammenleben mit Katzen und Frauen, Fähigkeiten, was man von Katzen lernen kann, Unterschiede zwischen Hunden und Katzen, ... Dabei fließen auch Geschichten von Familie und Bekannten mit ein, z.B. frisst Kater Bingo nur, wenn er gestreichelt wird.
Aufgelockert wird das sehr unterhaltsame und liebevoll zusammengestellte Buch durch viele private Fotos, Zeichnungen (z.B. zur Verdeutlichung der berüchtigten 5 Minuten) und einem süßen Ralf & Minka-Comic.

Gleichzeitig vermittelt der Autor aber auch etwas Katzenwissen, beispielsweise über die Ausstattung und Fehler beim Eingewöhnen. Und es gibt viele "Wussten Sie eigentlich, ..."-Felder mit mehr oder weniger nützlichen Fakten. Für Katzenkenner ist da kaum etwas neues dabei - dafür aber vielleicht bei der Geschichte, was wohl mit den ganzen verlorenen Halsbändern geschieht. Oder warum Katzen so gern in Kartons liegen, das hat nämlich durchaus einen Zweck (wie ich nun weiß). Und durch Busters Tagebuch kann man einen Tag im Leben eines coolen Katers verfolgen...

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Erster und zweiter Absatz
"Du gehst ja ab wie Schmitz' Katze."
Wissen Sie, wie oft ich diesen Satz in meinem Leben schon gehört habe? Das können Sie sich gar nicht vorstellen. Ich habe auch irgendwann aufgehört zu zählen. Aber es stimmt ja. Ob es das allerdings war, was mich dazu gebracht hat, dieses Buch zu schreiben... ich weiß es ehrlich gesagt nicht.
Es gibt in meinem Leben so viele Berührungspunkte mit diesem Tier, dass ich manchmal glaube, ich wusste sogar noch eher, dass ich mal mit so einem Pelzbällchen zusammenleben werde, bevor mir klar war, Schauspieler oder Komiker werden zu wollen. Und das war auch schon sehr früh.

Ben Gadd - Rabens Ruh

Erscheinungsjahr: 2002
Gelesen im September 2008

Bei einem abenteuerlichen Sturz hat Colin sein Gedächtnis verloren. Nicht einmal an seinen Familiennamen kann der Rabe sich erinnern. So gewährt ihm die Schar von Rabens Ruh Aufnahme in ihrer Mitte. Hier erfährt Colin von der Schönheit und den Geheimnissen der kanadischen Rockies und wird in das tägliche Zeremoniell des Rabenlebens eingewiesen: von der morgendlichen Flatter unter Leitung des Hauptraben H. R. bis zum Flugballett im letzten Tageslicht, bei dem ambitionierte Flugtechniken perfektioniert werden.

Colin hat Glück im Unglück, denn nach seinem Absturz wird er von Zack gefunden - einem hilfsbereiten Raben, der ihn mit zur Schar von Rabens Ruh nimmt und unterstützt. Dort hat es Colin nicht einfach, erinnert er sich doch bis auf seinen Namen an nichts mehr. Er weiß nichts über das richtige Verhalten unter Raben, über Feinde und Gefahren. Mit der Hilfe seiner neuen Freunde, allen voran dem Paar Zack und Molly, findet er sich aber bald besser zurecht und bringt sich in die Schar ein. Er stellt viele Fragen und will auch Dinge wissen, die die meisten Raben nicht interessieren - es zeigt sich schnell, dass er da etwas anders ist, und nur von der älteren Rabin Greta verstanden wird.

Wir begleiten die Schar ein Jahr lang, entdecken mit Colin die Welt der Raben und verfolgen den Wechsel der Jahreszeiten. Man erfährt die Sichtweise der Raben auf uns Menschen, ihren Glauben, den Zusammenhalt untereinander und ihre Rituale. Es herrscht nicht immer eitel Sonnenschein, sondern es gibt auch Gefahren und Auseinandersetzungen - so ist das Leben eben. Dazu fand ich auch die Ansichten von Greta wunderbar.
Die Beschreibung der Natur hat mir sehr gefallen, detailliert und mit tollen Bildern. Die verschiedenen Winde konnte ich förmlich spüren, und ich habe noch nie so etwas lebensfrohes wie den Abendflug verfolgt. Außerdem haben mich noch Colins Gespräche mit den anderen Tieren fasziniert, seine Neugier und Klugheit.

Das Buch hat soviel Atmosphäre, ich konnte es nur schwer zur Seite legen und habe es von der ersten Seite an genossen. Man spürt, dass der Autor in diese Geschichte viel Herzblut gesteckt hat - die sensiblen und liebevollen Schilderungen sprechen da ihre ganz eigene Sprache!


Erster Absatz
NOCH NIE HATTE er einen solchen Traum gehabt. Er stürzte - er fiel so schnell, dass die Luft in seinen Ohren dröhnte und an seinen Federn riss.
"Hochziehen!"
Er öffnete die Augen. Er breitete die Flügel aus. Fast hätte sie ihm der Luftzug abgerissen.
"Ork!" schrie der Rabe, der jetzt hellwach war. Er fuhr nur die Spitzen seiner Flügel aus, was ihn ein wenig abbremste. Er breitete die Schwanzfedern aus, was ihn noch stärker bremste. Er breitete die Flügel noch weiter aus.
Jetzt war der Boden ganz nahe! Gleich würde er aufschlagen...
Plumps!
Der Rabe blickte durch den Wacholderbusch, der seinen Sturz gedämpft hatte, nach oben. Er blinzelte, öffnete den Schnabel und sagte: "Krork!"

Katja Brandis - Der Verrat der Feuer-Gilde (Kampf um Daresh 1)

Erscheinungsjahr: 2002
Gelesen im September 2008

Eine machtgierige Regentin herrscht über das Reich Daresh und stiftet Intrigen innerhalb der vier Gilden, die Wächter über Feuer, Luft, Erde und Wasser sind. Die junge Rena wollte schon immer der Feuer-Gilde angehören, und als sie die kampflustige Alix trifft, sieht sie sich ihrem Ziel ganz nah. Doch die Schmiedin ist auf der Suche nach einem Verräter in den Reihen der eigenen Feuer-Leute, der geheime Nachrichten an die Regentin weitergibt. Unvermittelt wird Rena hineingezogen in die blutigen Fehden zwischen den vier Gilden Dareshs. Ein Bürgerkrieg scheint unvermeidlich, denn die Herrscherin spielt eine Partei gegen die andere aus. Es gibt nur einen Ausweg: Rena und Alix müssen alle Beteiligten dazu bringen, Frieden zu schließen und eine gemeinsame Lösung zu finden. Und so begeben sich die Freundinnen auf eine Reise durch die Provinzen Dareshs, um ihr Land zu retten...

Jeder Bewohner von Daresh gehört von Geburt an zu einer der vier Gilden. Die jeweilige Gilde prägt dann sein Leben - Fähigkeiten, Glauben, Gewohnheiten, Bündnisse, Feindschaften, ... Mitglieder derselben Gilde werden wie Verwandte behandelt, auch wenn man diese noch nie zuvor gesehen hat.
Rena gehört zur Erd-Gilde, möchte aber viel lieber zu der für sie spannenderen Feuer-Gilde gehören. Dieser Wunsch lässt sich allerdings nicht so einfach verwirklichen. Zwar wurde sie noch in keine größeren Geheimnisse der Erd-Gilde eingeweiht, aber ihre Erziehung steckt tief in ihr - außerdem hat sie noch von keinem gehört, der die Gilde gewechselt hat.

Nach einem Zwischenfall, an dem ihre Neugier nicht ganz unschuldig ist, muss sie fliehen und trifft schließlich auf Alix. Zusammen reisen sie durch Daresh, und begegnen dabei nicht nur Menschen der verschiedenen Gilden, sondern auch Halbmenschen. Wesen, die halb Tier und halb Mensch sind - z.B. Hirschmenschen, Iltismenschen oder Natternmenschen.

Sehr gut gefallen haben mir die Unterschiede zwischen den verschiedenen Gilden, sowohl was die Lebensart als auch die speziellen Fähigkeiten betrifft. Rena kann sich beispielsweise nicht nur in die Erde einbuddeln, sondern auch die Gespräche der Bäume verfolgen. Während andere Gildenmitglieder nur ein Blätterrauschen hören, lauscht sie vielleicht den Gedichten der Bäume.
Auch die Beschreibung der verschiedenen Provinzen nahm mich gefangen - es gibt einige Eigenheiten und tolle Ideen. Da wären beispielsweise die Phönixwälder in Tassos (der Provinz der Feuer-Gilde), die sich selbst entzünden, um so auf dem kargen Boden an Dünger zu kommen. Oder das Grasmeer in Nerada (der Provinz der Luft-Gilde), welches nichts mit Wasser zu tun hat, sondern ein Teppich von bläulichen Halmen einer bestimmten Grasart ist.

Und auch die Geschichte an sich, die verschiedenen Figuren und ihre Entwicklung, fesselte mich. Zu den Charakteren hatte ich einen guten Zugang, es gab einige Überraschungen und nur ein paar Entwicklungen konnte ich erahnen. Nach und nach kamen auch einige Details ans Tageslicht, allerdings hätte ich mir da mehr gewünscht - ich wäre gerne noch tiefer in diesem Buch versunken. Wahrscheinlich auch, weil mir diese elementelastige Welt so gut gefallen hat. Also ein gutes Zeichen, die Folgebände sind schon auf meinen Wunschzettel gehüpft...


Mehr Infos über die Welt von Daresh gibt es hier.

Erster Absatz
Rena saß auf dem Kutschbock des Karrens, der sie gleich in die Felsenburg der Regentin bringen würde, und versuchte ruhig zu bleiben. Sie zupfte die helle Leinentunika glatt, die sie sich für den Anlass geliehen hatte, und polierte ihr Gildenamulett mit der Handfläche. Ihr Onkel flüsterte ihr ins Ohr: "Ganz locker bleiben. Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass sie uns nicht reinlassen, weil du dabei bist."

Alfred Bekker - Das Reich der Elben

Erscheinungsjahr: 2007
Gelesen im August 2008

Das weise Volk der Elben hat die sterbliche Welt verlassen und sucht nach den Gestaden der Erfüllten Hoffnung. Jenseits des großen Meeres finden sie schließlich einen unbekannten Kontinent, doch in der neuen Welt lauern innere und äußere Feinde...

Die Geschichte des ersten Bands der Elben-Trilogie wurde in zwei Teile gegliedert. Im ersten geht es um die Ankunft und die Erlebnisse auf der Insel des Augenlosen Sehers, welche nur ein paar Tage umfassen. Es passiert viel - allerdings wird sich dafür im Vergleich zum zweiten Teil, in dem es um den Aufbau des Elbenreiches und der Entwicklung der königlichen Nachkommen geht, zuviel Zeit gelassen. Dieser erscheint mir nämlich mehr wie eine kurze Zusammenfassung, eine sachliche Aneinanderreihung von Ereignissen.

Das Buch lässt sich zwar ganz gut lesen, da es recht flüssig geschrieben ist, aber mir fehlt jegliche Atmosphäre. Es wirkt oberflächlich und irgendwie lieblos, als ob selbst der Autor keinen Bezug zu den Figuren aufbauen konnte. Wie soll mir das da gelingen? Die Charaktere werden nur angekratzt, wir erfahren kaum Details über sie. Das mag ich überhaupt nicht, ich will etwas über ihre Gedanken und Gefühle, ihre Vergangenheit erfahren. So aber fehlte mir jeglicher Zugang – selbst zu den drei Elben, die für mich etwas hatten und auch genug Stoff für mehr Details boten.

Wirklich genervt war ich von der ewigen Betonung der sensiblen Elbensinne, teilweise mehrmals pro Seite. Der Autor könnte seinen Lesern ruhig etwas mehr Intelligenz zutrauen, und hätte den Platz der ewigen Wiederholungen lieber für mehr Details, Atmosphäre oder ein Glossar nutzen sollen. Das gibt es nämlich auch nicht, dafür bekommt jede Figur noch einen Beinamen mit seiner Gabe (z.B. Lirandil der Fährtensucher), welcher fast immer genannt wird. Und dann gibt es bei einigen Namen noch eine starke Ähnlichkeit zu Tolkien-Namen, als erstes bin ich da über Ygolas den Bogenschützen gestolpert.

Ich kann diese blasse, leicht vorhersehbare Geschichte ohne Tiefgang einfach nur schnellstmöglich verdrängen und werde zukünftig einen riesengroßen Bogen um diesen Autor machen (Achtung, es gibt da auch einen neuen Zyklus namens Drachenerde).
Und ganz demütig bis Ende des Jahres auf “meine” Elfen warten...

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Erster Absatz
"Land in Sicht!"
Der Ruf vom Ausguck schallte durch das wabernde Grau der Nebelschwaden. Wie amorphe, vielarmige Ungeheuer wirkten sie. Manchmal war der Nebel so dick, dass die einzelnen Schiffe der Elbenflotte selbst aus nächster Nähe nur als dunkle Schemen zu erkennen waren.
König Keandir straffte seine Gestalt. Seine Rechte umfasste den bernsteinbesetzten Griff des Schwerts mit der schmalen Klinge, das er an der Seite trug. Seine Haut war von vornehmer Blässe, und sein schmales, hageres Gesicht wirkte wie gemeißelt und zeigte einen Ausdruck sogleich von Strenge als auch von Ernsthaftigkeit. Spuren tiefer Sorge um sein Volk hatten sich in diesem Gesicht verewigt, seit Keandir das Königsamt von seinem Vater übernommen hatte, und in das schulterlange schwarze Haar mischten sich die ersten grauen Strähnen. Spitze Ohren stachen durch dieses glatte Haar - Ohren, die ebenso empfindlich und sensibel waren wie auch die anderen Sinne des Elben.

Joan Anderson - Ein Jahr am Meer

Erscheinungsjahr: 2002
Gelesen im August 2008

Etwa im Alter von 50 - die Söhne sind aus dem Haus, die Ehe ist eher von Gleichgültigkeit geprägt, das Leben geht seinen Gang - tut Joan Anderson etwas, das für alle, nicht zuletzt sie selbst, völlig überraschend ist. Ohne einen äußeren Anlass dafür zu haben, folgt sie ihrem Mann nicht zu seinem neuen Job an die Westküste, sondern reist ans Meer, ans Cape Cod, wo die Familie ein kleines Cottage hat. Sie tut es, weil sie einen neuen Lebensrhythmus finden will, und taucht mit einigen Befürchtungen, aber auch entschlossen in die neue Erfahrung ein - nicht ohne sich selbst gelegentlich zu fragen, ob sie nicht einfach nur ein verwöhntes Gör sei...

Das Jahr wurde in 16 Kapitel eingeteilt, welche jeweils mit einem Zitat beginnen (z.B. von Rainer Maria Rilke und T.S. Elliot), und so schöne Namen wie “Seehundgefühl” und “Wellen der Wahrheit” tragen. Schon nach ein paar Seiten fesselte mich die Geschichte – ich wollte wissen, was dieses Jahr am Meer der Autorin gebracht hat, was für Erkenntnisse sie gewonnen und wie sie sich verändert hat. Außerdem kam mir einiges sehr bekannt vor, man muss “funktionieren”, und verliert dabei die Verbindung zu sich selbst.

Neben den tollen Natureindrücken hat es mir vor allem die Tiefe dieses Romans angetan. Ich konnte die innere Zerrissenheit und Unsicherheit förmlich spüren. Die Auseinandersetzung mit sich selbst, das Erforschen der eigenen Person mit seinen Wünschen und Zielen – all das fand ich sehr gut beschrieben, nachvollziehbar und sensibel. Eine Motivation, sich die Zeit zu nehmen, um sich selbst (wieder) kennen zu lernen, stärker auf Körpersignale und Wünsche zu achten.

Die Geschichte bietet auch ein paar besondere Momente, an die ich gerne zurückdenke. Meist sind sie geprägt von der Achtung vor Tieren und der Natur, was auch meiner persönlichen Einstellung entspricht. Und es ist wie eine Art Bestätigung, davon zu lesen – auch von Dingen, die mir gefallen und gut tun.
Das Buch werde ich auf jeden Fall wieder lesen, besonders geeignet erscheint es mir auch für Krisenzeiten, und die Fortsetzung “Spaziergang am Meer” ist natürlich schon auf meiner Wunschliste gelandet.


Erster Absatz
Die Entscheidung, uns zu trennen, fiel sozusagen über Nacht. Mein Mann kam eines Abends von der Arbeit nach Hause und verkündete, er habe eine neue Stelle Hunderte von Kilometern entfernt angenommen. Während er sich über die Einzelheiten ausließ, saß ich mit leerem Gesicht da und suchte nach einer Ausrede, um ihn nicht begleiten zu müssen. Schließlich waren unsere beiden Söhne erwachsen, das geräumige alte Haus, in dem wir seit siebzehn Jahren wohnten, war längst zu groß für uns geworden und meine Tätigkeit konnte ich überall ausüben. Woher kam also mein Widerstand? Warum war ich wie erstarrt, verängstigt und voller Wut?

Diana L. Paxson - Tochter des Lichts (Die Juwelen von Westria 1)

Erscheinungsjahr: 1988
Gelesen im August 2008

Im schönen Königreich Westria ritt ein junger König aus, um eine Braut zu finden, die nicht nur die Lady seines Herzens, sondern auch die Herrin der Juwelen von Westria sein musste. Denn wer das Licht der Juwelen beherrschte, beherrschte die Macht der Elemente und die Zukunft des Reiches. Und in einer windumtosten nördlichen Provinz verbarg ein junges Mädchen namens Faris ihr Geheimnis und erzählte niemanden von ihren Kräften, die sie in ihrem Innern spürte. Denn sie träumte nie, dass die Wahl des Königs auf sie fallen könnte. Sie war die Tochter des Lichts. Doch die Dunkelheit war stark und mächtig...

“Tochter des Lichts” ist der Auftakt der siebenteiligen Serie “Die Juwelen von Westria” - und auch das erste Buch der Autorin. Dieses merkt man deutlich, den Unterschied zu mir bekannten Werken wie “Der Zauber von Erin” fand ich fast schon erschreckend. Vieles ist ansatzweise vorhanden, wirkt auf mich aber unausgereift und eher oberflächlich.
Die Ereignisse werden ruhig und leider auch unspannend erzählt, alles tröpfelt meist emotionslos vor sich hin und bietet kaum Überraschungen. Manche Szenen konnten mich zwar fesseln, darunter gab es auch ein paar wirklich gelungene Momente, aber größtenteils wollte ich doch mehr. Schade, dass aus dieser Geschichte nicht mehr gemacht wurde – an Potenzial mangelt es nicht.

Es gibt viele Figuren, die interessant sein könnten – wenn man denn etwas mehr über ihren Hintergrund und ihre Gedanken erfahren hätte. Für mich waren die meisten Personen verschwommene Gestalten, von denen ich nicht viel mehr als den Namen kannte. Ich konnte nicht nur keinen Bezug zu ihnen aufbauen, mir waren die Zusammenhänge und auch einige Andeutungen oft schleierhaft. Ich musste mir einiges zusammenreimen, besonders was die Beziehungen untereinander angeht. Selbst Faris habe ich nicht wirklich verstanden, allerdings gibt es auch ein paar Ausnahmen (z.B. finde ich den Wacholdermeister sehr gelungen).

Ich habe mich noch nicht so ganz entschieden, ob ich die Reihe weiterlesen werde. Das Buch hat mir einfach recht wenig gegeben, andererseits ist da aber auch die Hoffnung auf Besserung – und zwei Figuren, die mir gut gefallen haben...


Erster Satz
Aus dem Wechsel von Licht und Dunkelheit, von Geist und Materie, wurde die Welt erschaffen.

Ju Honisch - Das Obsidianherz

Erscheinungsjahr: 2008
Gelesen im August 2008

München 1865. Ein magisches Manuskript, dessen Inhalt in den falschen Händen von ultimativer Zerstörungskraft sein kann, ist verschwunden. Der britische Agent Delacroix erhält den Auftrag, die Schrift aufzuspüren und zurückzubringen, wobei ihm zwei junge bayerische Offiziere sowie ein Magiewissenschaftler hilfreich zur Seite stehen. Doch auch das Böse trachtet in mannigfaltiger Form nach der Macht des Manuskripts, um die Welt in ein Abbild seiner eigenen grausamen Phantasien umzuwandeln. Nichts von all dem ahnt Miss Corrisande Jarrencourt, eine junge Dame, die in München nur einen wohlsituierten Ehemann sucht. Ins Geschehen hineingezogen muss sie feststellen, daß es auf dieser Welt Dinge gibt, von deren Existenz sie bis dahin nichts ahnte...



Das Buch wurde liebevoll ausgestattet, die kleinen Tintenklecks-Bilder am Anfang jedes Kapitels finde ich sehr individuell – sie gefallen mir nicht nur, sondern laden auch ein wenig zum Träumen ein. “Das Obsidianherz” lässt sich genremäßig in keine Schublade quetschen, sondern besteht aus den verschiedensten Elementen. Für mich ist es eine Mischung aus phantastischem und historischem Roman, gut gewürzt mit einer “schaurigen” Atmosphäre und einem Schuss Romantik.

Durch die gelungene Einleitung wird gleich klar, dass das München dieser Geschichte zwar einige historische Personen bietet, aber durch Magie und Fabelwesen (die dort Fey und Sí genannt werden) auch anders ist. Meine Befürchtung, dass mir das ganze Drumherum zu bayerisch werden könnte, hat sich glücklicherweise nicht erfüllt. Es gab nur ein paar kleine regionale Eigenheiten, da hatte ich mit den vielen französischen Ausdrücken doch deutlich mehr Gewöhnungsschwierigkeiten. Die Handlung spielt größtenteils in einem Hotel, was ich bei der abwechslungsreichen Handlung aber gar nicht richtig wahrgenommen habe. Ich war viel zu sehr damit beschäftigt, diese Welt und die vielen interessanten Figuren kennen zu lernen.

Die Erzählperspektive ändert sich oft, die Übergänge sind dabei aber immer fließend. Sie behindern sich nicht, sondern ergänzen – und manche Szenen erlebt man so aus der Sicht von mehreren Personen. Es gab die unterschiedlichsten Charaktere, sowohl geradlinige und leichter einzuschätzende als auch Figuren mit Widersprüchen und einigen Überraschungen. Ein großer Vorteil waren meiner Meinung nach auch die vielen Rückblenden, durch die man fast alle Personen und ihren Hintergrund näher kennen lernen und einen Bezug aufbauen konnte.
Der manchmal auch schwarze Humor und die ironischen Anspielungen haben genau meinen Geschmack getroffen, vieles wurde mit einem Augenzwinkern beschrieben – und das war für mich der perfekte Ausgleich zu den eher “schaurigen” Szenen. Momente, so unterschiedlich wie das Wetter – und durchbrochen von Emotionen, von der wunderbaren Romantik zum Ende hin mal ganz zu schweigen...

Erster Satz
Fünf Männer saßen um den Tisch, als seien sie nur zu einer Herrenrunde auf ein Gläschen Wein zusammengekommen.

Per Petterson - Pferde stehlen

Erscheinungsjahr: 2006
Gelesen im Juli 2008

Trond ist 67 und zieht sich nach Ostnorwegen zurück. Als ein Nachbar auftaucht, holen ihn die Ereignisse jenes Sommers vor mehr als fünfzig Jahren ein. Damals verbrachte er die Ferien mit seinem Vater in einer Hütte nahe der schwedischen Grenze. Es ist eine Gegend, in der man Pferde stehlen kann. Als in der Nachbarsfamilie ein schreckliches Unglück geschieht, entdeckt der Junge das wohlgehütete Lebensgeheimnis des Vaters...

Der schlichte Stil und die ruhige, gelassene Atmosphäre haben mir gefallen. Dadurch konnte man in Tronds Welt eintauchen, hatte gleich die passende Stimmung für diesen Roman ohne Hektik und Action. Die Höhepunkte waren für mich dabei die detailreichen Beschreibungen der Natur mit ihren Geräuschen und Gerüchen. Ich habe diese Momente genossen, in denen ich mit der Welt und dem Buch glücklich war.

Größtenteils geht es um den Sommer 1948, den der 15-jährige Trond mit seinem Vater verbracht hat. Es gibt intensive Momente, Geheimnisse, Freundschaften, einschneidende Erlebnisse - und mit ihnen wird Trond erwachsen. Er ahnt viel, versteht aber noch nicht alles. Zwischendurch landen wir immer wieder in der Gegenwart, wo der Protagonist mit seinen Kräften haushalten muss, sich um seine Hündin kümmert und handwerkliche Arbeiten erledigt. Die Gedanken des älteren Trond haben mich dabei oft gefangen genommen und auch zum Nachdenken angeregt.

Das Ende kam mir jedoch zu abrupt - ich hatte das Gefühl, mitten in der Geschichte fallen lassen geworden zu sein. Die Ereignisse der Vergangenheit wurden erzählt, aber die Verbindung zur Gegenwart fehlte mir. Abschließende Gedanken, vielleicht ein Austausch mit seinem Nachbarn, der auch in der Vergangenheit auftauchte. Es wirkte irgendwie nicht rund, hat mich enttäuscht zurückgelassen und der Geschichte meiner Meinung nach einiges an Potential genommen.


Erster Absatz
Anfang November. Neun Uhr. Die Kohlmeisen knallen gegen das Fenster. Manchmal fliegen sie nach dem Zusammenprall wie benommen davon, dann wieder fallen sie in den Neuschnee und mühen sich ab, bevor sie erneut auf die Flügel kommen. Ich weiß nicht, was ich habe, das sie haben wollen. Ich sehe aus dem Fenster hinüber zum Wald. Über den Bäumen zum See hin scheint ein rotes Licht. Wind kommt auf. Ich sehe die Form des Windes im Wasser.

Marion Zimmer Bradley - Die Herrin von Avalon (Avalon 5)

Erscheinungsjahr: 1996
Gelesen im Juli 2008

Im Jahre 98 n. Chr. ist Avalon die letzte Zufluchtstätte des alten Glaubens, während sich über das restliche Britannien die Herrschaft der Römer ausdehnt. Noch leben die Druiden und Priesterinnen von Avalon zwar in Eintracht mit den ersten Christen auf der Insel, und auch von den Römern wird ihr Heiligtum geachtet, doch die Zeiten ändern sich schnell.
Von der mythenumwobenen Insel aus versuchen die drei Hohepriesterinnen Caillean, Dierna und Viviane über die Zeiten hinweg die Geschicke Britanniens zu steuern. Das Land ist zerrissen vom Kampf gegen die Römer und von den Rivalitäten der britannischen Fürsten untereinander. Immer wieder muss die Herrin von Avalon ihr uraltes Wissen heraufbeschwören, um die Zukunft des Landes zu retten...

Dieser Roman ist grob in drei Teile gegliedert. „Die Hohepriesterin“ (96 – 118) schließt nahtlos an „Die Wälder von Albion“ an, wir erleben wie Caillean und Gawen mit der Tragödie umgehen und was sie aus ihrem Leben machen. „Die Herrscherin“ (285 – 293) handelt von der Hohepriesterin Dierna, ihren Erlebnissen und Entscheidungen. In „Die Tochter“ (440 – 452) begleiten wir Viviane, die bei Pflegeeltern aufwuchs, bis Taliesin sie im Auftrag ihrer Mutter (der Hohepriesterin Ana) abholt, weil diese sie dort braucht.

Der mittlere Teil wirkte auf mich wie eine Aufzählung von Namen und Ereignissen, auf das Innenleben der Figuren wurde kaum eingegangen. Dadurch hatte ich zu einigen Figuren keinen guten Zugang, ich hätte mir mehr Hintergründe und Zusammenhänge gewünscht, etwas mehr Tiefe - stattdessen bekam ich beim Lesen oft ein Gefühl von Unnahbarkeit und Fremdheit. Das kenne ich von Marion Zimmer Bradley sonst gar nicht, und bei Charakteren wie Viviane oder Taliesin zeigt sie ja auch wieder, was sie kann. Ich nehme also an, dass es nicht einfach war, eine Brücke zwischen „Die Wälder von Albion“ und „Die Nebel von Avalon“ zu schlagen. Eine lange Zeit, in der einem die Geschichte Avalons, seine Kämpfe und Veränderungen näher gebracht werden sollte. Und unter diesem Ziel mussten einige Figuren leiden - vor allem die, die man aus den anderen Büchern nicht kennt.

Der erste und dritte Teil hat mir jedoch überwiegend gut gefallen. Ich spürte wieder den Zauber von Avalon, auch wenn sich dort die Atmosphäre verändert hat. Die Beschreibungen der Feste und Prüfungen gefallen mir nach wie vor, sie bieten auch oft Stoff zum Nachdenken. Es gibt auch einige Hinweise auf alte Seelen, was für mich immer noch etwas Besonderes ist – eine spezielle Ebene.

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Jane Urquhart - Im Strudel

Erscheinungsjahr: 2002
Gelesen im Juli 2008

Ein Sommer im Jahre 1889 an den Niagarafällen in Ontario. Es begegnen sich die unterschiedlichsten Menschen, die Witwe des Leichenbestatters verzweifelt über das unerklärliche Schweigen ihres Sohnes, Fleda träumt von einem Haus am Fuße des Strudels und von ihrer Begegnung mit dem jungen Dichter Patrick. Fledas Mann David widmet sich seinen militärhistorischen Forschungen und vernachlässigt seine Frau. Zur selben Zeit sinniert der Dichter Browning in Venedig über seinen nahenden Tod. Am Ende des Sommers verbinden sich die Schicksalsfäden dieser Menschen, und ein Opfer wird im Strudel der Ereignisse zu beklagen sein...

Anfangs hatte ich etwas Probleme damit, mich in Browning hineinzufühlen, seine Gedanken empfand ich manchmal als etwas wirr. Vielleicht musste ich mich aber auch erst daran gewöhnen, dass sie sich fast nur rund um den Tod drehten. Ich fragte mich auch, warum ausgerechnet mit ihm begonnen wurde – aber im Nachhinein macht das schon Sinn, denn einige der anderen Figuren kennen seine Gedichte. Und es hatte schon etwas, erst den Dichter und dann seine Leser (sowie ihre Gedanken über ihn) kennen zu lernen.

Die Charaktere sind recht unterschiedlich angelegt, ihre Gedanken und Erlebnisse sehr abwechslungsreich. Jede Figur lernen wir nach und nach besser kennen, auch ihr Umfeld und die damaligen Sitten. Man meint, sie zu verstehen – und dann passiert doch wieder etwas überraschendes und manchmal auch rätselhaftes. In manchen Momenten erhaschen wir kurze Einblicke in die Seele der Protagonisten, die oft unergründlich ist. Man erhält tiefere Einsichten, die einem im ersten Moment vielleicht nicht großartig weiterhelfen – am Ende aber wichtig für das Verstehen der Entscheidungen einiger Personen sind.

Und genau wie bei meinem ersten Buch von Jane Urquhart fesselt mich auch hier ihr Stil und die besondere Atmosphäre, auch wenn ich das nur unzureichend erklären kann. Sie schreibt poetisch, einfühlsam – aber auch geheimnisvoll und sonderbar. Facettenreich, mit einem leichten Humor und gelungenen Naturbeschreibungen. Es gibt viele Stellen, die ich einfach nur schön fand und mehrmals lesen musste. Szenen, in denen es um Literatur und die Natur geht, und die mich manchmal auch zum Lächeln gebracht haben.

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Der erste Satz
Im Dezember des Jahres 1889, mit der Gondel auf dem Rückweg aus der Gegend um den Palazzo Manzoni, kam Robert Browning der Gedanke, dass er wohl in Kürze sterben würde.

James A. Sullivan - Der letzte Steinmagier

Erscheinungsjahr: 2008
ISBN: 9783899414288
Gelesen im Juni 2008

Chaos herrscht im Kaiserreich, nachdem in der Schlacht von Wuchao alle Steinmagier ums Leben gekommen sind. Alle, bis auf einen: Wurishi Yu, der von seinem Meister absichtlich zurückgelassen worden ist, um als letzter die Tradition und die Magie seiner Zunft zu bewahren. Und um eine Schuld zu begleichen. Denn einst wurde die Kaiserin von einem abtrünnigen Steinmagier in eine Statue verwandelt und nur ihre Erlösung kann die Finsternis, die seitdem über das Reich hereingebrochen ist, vertreiben. Mit dem Erbe seines Meisters, einer kostbaren Schriftrolle, macht sich Yu an die schier unlösbare Aufgabe, wird aber schon bald von dem machthungrigen Fürsten Dayku Quan verfolgt, der sich in den Besitz des Geheimnisses der ewigen Jugend bringen will. Doch dann erhält Yu unerwartet Hilfe...

Der Autor hat einen ungewöhnlichen Prolog gewählt, denn in ihm erfährt man bereits, dass die Hauptfigur überlebt. Manche mag das stören, mir hat es die Spannung beim Lesen nicht genommen – denn so konnte ich mich voll auf den Weg und die Gefährten konzentrieren, um die man sich ja immer noch Sorgen machen musste. Die asiatisch angehauchte Welt empfand ich als eine angenehme Abwechslung, sie war auch nicht zu speziell – so dass ich mich ohne große Asien-Kenntnisse leicht hineinversetzen konnte und mit den Namen keine Probleme hatte.

Neben der Begleichung der Schuld der Steinmagier spielt in diesem Roman Freundschaft eine große Rolle. Was als Zweckgemeinschaft auf Zeit begann, entwickelt sich schnell zu einer vertrauten Gruppe, die sogar noch weiblichen Zuwachs erhält. Das Zusammenfinden, der Aufbau von Vertrauen und Freundschaft gehört für mich zur positiven Grundstimmung dieses Buches. Aus einzelnen Figuren wird eine sich harmonisch ergänzende Einheit, jeder ist bereit viel für die Anderen zu wagen – und alle verfolgen ein großes Ziel.
Es gibt auch Zwischenkapitel, die aus der Sicht der anderen Gefährten geschrieben sind. Ich hatte dadurch den Eindruck, sie besser kennen zu lernen und zu erfahren, was sie persönlich ausmacht.

Das Konzept der Steinmagie erschien mir sehr durchdacht, es gab keine 08/15-Zauber sondern eine große Bandbreite an Möglichkeiten. Nicht jeder Stein ist für alle Zauber geeignet, und es gibt auch kostbare, die nur für spezielle Zauber benutzt werden sollten. Mir hat vieles daran gefallen, beispielsweise dass jeder Zauber Magie verbraucht, sie beim Wirken vom Magier abzieht - ein Prinzip vom Geben und Nehmen. Besonders haben es mir auch die Beschreibungen des magischen Fühlen und Ertastens angetan, diese Szenen wirkten auf mich immer sehr feinfühlig und ich hatte oft passende Bilder dazu im Kopf (z.B. von einem hauchdünnen Spinnennetz oder einer weit verzweigten Baumwurzel).

Der Charakter der meisten Figuren ist klar angelegt, hier kommt es kaum zu drastischen Wendungen. Allerdings habe ich das auch nicht vermisst, denn dieses Wohlfühlbuch besaß oft mehr den Charakter eines lockeren Abenteuers, in dem meistens die Sonne schien und es nur wenige dunkle Momente gab. Es gab ausgelassene Momente, und auch ein Plätzchen für die ein oder andere romantische Szene. Das Ende fand ich sehr rund, man konnte sich noch in aller Ruhe von den lieb gewonnenen Personen verabschieden und erhielt einen Eindruck davon, in welche Richtung eine Fortsetzung gehen könnte.


Herzlich Willkommen in meiner fantastischen Bücherwelt - ich freue mich, dass du den Weg hierher gefunden hast, und hoffe, dass es dir hier gefällt.

Auf meinem Lesetisch stapeln sich:
Susanne Gerdom - Elbenzorn
Yasmine Galenorn - Die Hexe
Tolkiens Geschöpfe

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Über mich

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Als lesende Weltenwandlerin bewege ich mich bevorzugt in fantastischen und historischen Welten. Ich bin eher der emotionale Leser und mag es, wenn ich in Figuren so richtig eintauchen kann. Manche bleiben dann noch etwas länger bei mir oder entwickeln sich gar zu dauerhaften Gästen.

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Marny Leifers
Uhlandweg 11
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