fantastische Bücherwelt

von Büchern, Spleens & Listen

SuB-Listen-Wettbewerb 2008 (Literaturschock)

Der SuB-Listen-Wettbewerb im großen Bücherforum von Literaturschock - damit hat alles angefangen. Meine erste Berührung mit "Lesen nach Listen" - und zack schon infiziert.
Den Wettbewerb von 2007 habe ich nicht geschafft, was mich aber nicht davon abgehalten hat, einen zweiten Versuch zu starten. Ich konnte ja auch gar nicht widerstehen, schließlich stand da eins meiner Lieblingsthemen als Kategorie zur Auswahl!

Kategorie Elemente-SuB
Katja Brandis - Der Verrat der Feuer-Gilde (Feuer)
Diana Marcellas - Mutter Ozean, Tochter See (Wasser)
William Nicholson - Der Windsänger (Luft)
Patricia A. McKillip - Erdzauber (Erde)
Cornelia Funke - Tintenherz (Literatur)

Zusatzkriterien
Ben Gadd - Rabens Ruh (Tiere in Hauptrolle)
Kai Meyer - Frostfeuer (LiteraturpreisträgerIn) [erl. im Jan.]
Diana L. Paxson - Tochter des Lichts (noch ohne Forumsthread)
Brigitte Riebe - Palast der blauen Delphine (Farbassoziation)
Alfred Bekker - Das Reich der Elben (Auswahl durch nimue)

Die längst überfällige Verkündung meiner vielen Neuzugänge

Das lohnt sich mal wieder - und zeigt, dass ich in den letzten Wochen und Monaten kaum zum Lesen gekommen bin. Scheinbar muss ich die stressige Zeit dann immer mit Büchershopping ausgleichen. Kontraproduktiv, aber irgendein Laster muss ich ja auch haben. ;-)
Also: herzlich Willkommen!

Als Restexemplare bzw. gebraucht ergattert:

  • Manfred Böckl – Der Hund des Culann
  • Cassandra Eason – Die moderne Druidin
  • Robert Louis Stevenson - Meistererzählungen
  • William Jordan – Eine Katze namens Darwin
Ein must-have:
  • Bernhard Hennen – Das Fjordland (Elfenritter 3)
Frustkauf:
  • Miriam Toews – Ein komplizierter Akt der Liebe
  • Stephen R. Lawhead – Hood. König der Raben
Weihnachtslektüre:
  • Jone Heer (Hrsg.) - Süßer die Katzen nie schnurren
  • Gitte Hænning (Hrsg.) - Die schönsten Weihnachtsgeschichten aus Skandinavien
Dann kamen noch viele günstige Mythen-Bücher bei Jokers dazwischen:
  • Christopher Foster - Der Rabe Joshua
  • Barbara Stamer (Hrsg.) - Die Schwanenprinzessin. Märchen von Nixen und Meerjungfrauen
  • Ursula Clemen (Hrsg.) - Keltische Märchen aus Schottland
  • Nancy Arrowsmith - Elben, Trolle, Hobgoblins
  • Golowin / Eliade / Campbell - Die großen Mythen der Menschheit
Geschenke und Gewinne gab es auch *freu*:
  • Angelika Feilhauer (Hrsg.) - Geister-Abenteuer
  • Regine Leisner – Die Rabenfrau
  • Tereza Vanek – Die Träume der Libussa
Und bei den Kochbüchern gab es ebenfalls Zuwachs:
  • Tanja Dusy, Sebastian Dickhaut – Indien Basics
  • Die LECKER Kochschule
  • Jamie Oliver – Jamies Kochschule

Samantha Hunt - Nixenkuss

Erscheinungsjahr: 2006
Gelesen im Oktober 2008

Eine junge Frau in einer von Trinkern bevölkerten Kleinstadt an einer Felsküste hoch im Norden der USA: Sie wohnt in einem alten Seemannsheim mit sechzehn Zimmern, von denen die meisten leer stehen, weil niemals Gäste kommen. Sie ist unglücklich verliebt in den Fischer Jude, der im Irak im Krieg war und seitdem nur wenig spricht. Sie hat das trostlose Leben an Land satt. Sie sagt: "Okay. Scheiß aufs Festland. Ich bin eine Nixe."

Die namenlose Protagonistin erfuhr mit acht Jahren von ihrem Vater, dass sie eine Nixe ist. Anschließend ging er ins Meer, doch seine Leiche wurde nie gefunden. Seitdem sieht sie seine nassen Fußspuren, interessiert sich nur noch für Wasser und Wörter - und Jude. In den 33-jährige Kriegsveteran ist sie unglücklich verliebt, denn er ertränkt seine Erinnerungen und Gefühle im Alkohol.

In der hoffnungslosen und abweisenden Atmosphäre einer Kleinstadt irgendwo am Nordatlantik hat sich die Hauptfigur eine eigene Sicht auf die Dinge aufgebaut. Sie wirkt etwas durchgeknallt auf mich, ist aber durchaus bei klarem Verstand. Sie möchte der Trostlosigkeit entkommen und ist der festen Überzeugung, eine Nixe zu sein. Dazu führt sie sogar einen Test durch, und sie macht sich darüber Gedanken, was Jude durch ihre Nixen-Liebe zustoßen könnte.

Beim Lesen habe ich mich oft gefragt, was wahr und was ein Märchen sein könnte. Denn je märchenhafter die Ereignisse wurden, desto klarer und greifbarer wurde die Geschichte. Die Sprache ist vielfältig - leicht aber auch tiefgründig, phantasiereich und voller Bilder. Die Geschichte verwirrt, geht aber auch sehr nah und bleibt noch einige Zeit hängen. Ein besonderes Buch mit einer ganz eigenen Atmosphäre.


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Erster Satz
Der Highway führt von hier aus nur nach Süden, so weit nördlich leben wir.

Cornelia Funke - Tintenherz

Erscheinungsjahr: 2003
Gelesen im Oktober 2008

In einer stürmischen Nacht taucht ein unheimlicher Gast bei Meggie und ihrem Vater Mo auf. Er warnt ihren Vater vor einem Mann namens Capricorn. Am nächsten Morgen reist Mo überstürzt mit Meggie zu ihrer Tante Elinor... Elinor verfügt über die kostbarste Bibliothek, die Meggie je gesehen hat. Hier versteckt Mo das Buch, um das sich alles dreht. Ein Buch, das Mo vor vielen Jahren zum letzten Mal gelesen hat und das jetzt in den Mittelpunkt eines unglaublichen, magischen und atemberaubenden Abenteuers rückt - eines Abenteuers, in dessen Verlauf Meggie nicht nur das Geheimnis um Zauberzunge und Capricorn löst, sondern auch selbst in große Gefahr gerät...

Der Schreibstil ist flüssig und hat mich zum Weiterlesen animiert, ohne genau zu wissen warum. Vielleicht war es ja auch die Hoffnung, endlich einen Zugang zu der Geschichte zu finden - denn gefesselt hat mich das Buch nicht. Irgendwie kam ich über ein "nett" im negativen Sinn nie hinaus.

Die Grundidee war für mich weder überraschend noch neu (habe mich das schon als Jugendliche gefragt), was allein aber nicht so dramatisch gewesen wäre. Es kommt schließlich darauf an, was man aus dieser Idee macht. Der Ansatz war ja noch ganz gut, allerdings habe ich immer auf etwas mehr, auf eine Steigerung oder genauere Ausführungen gewartet.
Richtig schlimm fand ich dann aber die farblosen und flachen Figuren, nicht eine davon konnte mich reizen. Dabei gab es wirklich viel Potenzial, allein Mo und Meggie mit ihrer Bücherliebe. Und erst recht der mysteriöse Staubfinger!

Auch wurde ich nur selten überrascht, die meisten Entwicklungen waren schon sehr früh absehbar. Und dann dieses ewige hin und her, das fand ich irgendwann schon nervend. Na, wenigstens eine Emotion!
Den vielen Begeisterungsstürmen kann ich mich wirklich nicht anschließen, auch die liebevolle Gestaltung des Buches kann mir über den enttäuschenden Inhalt nicht hinweghelfen...



Erster Satz
Es fiel Regen in jener Nacht, ein feiner, wispernder Regen.

Brigitte Riebe - Palast der blauen Delphine

Erscheinungsjahr: 1996
Gelesen im Oktober 2008

Es ist geweissagt worden, dass nur Asterios, der Sohn der als Göttin verehrten kretischen Königin Pasiphae und eines geheimnisvollen Stiertänzers, Kreta vor dem Untergang retten kann. So wird Asterios zum ersten männlichen Priester der Insel, doch die unglückselige Liebe zu Ariadne, seiner Halbschwester, stürzt ihn ins Unglück. Der Roman erzählt nicht zuletzt auch vom Ende einer Epoche: Die Bronzezeit weicht der Eisenzeit, das Matriarchat dem Patriarchat, und die Festlandgriechen erobern die Vormachtstellung im Mittelmeerraum, die Kreta so lange innehatte.

Der Einstieg in diese Geschichte fiel mir nicht so leicht, wie bei anderen Büchern der Autorin. Vielleicht musste ich mich erst etwas auf diese für meine Verhältnisse sehr südlich gelegene Geschichte einstellen, auf Wärme und jugendliche Unbeschwertheit. Zudem haben mich anfangs die vielen Figuren verwirrt, auch wenn mir das Verzeichnis der Personen am Anfang des Buches sehr geholfen hat. Aber je mehr ich las, desto mehr faszinierte mich dieses Buch, in dem der bekannte Mythos um das kretische Labyrinth aus der Sicht der “Verlierer” erzählt wird.

Die Figuren wirken auf mich sehr menschlich mit ihren Stärken und Schwächen. Die Bandbreite der Charaktere war dabei sehr groß - es gab z.B. sympathische, machtgierige, geheimnisvolle, etwas nervende und auch wissbegierige Personen. Die vielschichtige Darstellung des Asterios hat mir sehr gefallen, ich hatte das Gefühl ihn wirklich zu kennen und bei seiner Entwicklung zu begleiten. Die Prüfungen fand ich dabei ebenso interessant wie seine seherischen Fähigkeiten, die Verbundenheit mit Merope und seine Freundschaft zu Ikaros. Dieser hat mich übrigens sehr berührt, seine Gespräche mit Asterios habe ich wirklich genossen. Auch wenn mir bei dem Namen natürlich klar war, dass ihm kein gutes Ende bevorsteht. Dummerweise habe ich ihn natürlich trotzdem sehr ins Herz geschlossen, ich scheine wirklich eine Schwäche für tragische Figuren zu entwickeln.

Die Landschaften, Orte, Personen und Ereignisse werden detailreich und ohne Hektik beschrieben. Angesichts dieser Zeit der Veränderung und der späteren Atmosphäre von Gefahr wirkt diese ruhige Erzählweise auf mich wie ein letztes Schwelgen in einer Kultur, die dem Untergang geweiht ist. Trotz der Zerstörung gelang es der Autorin aber, mich am Ende mit einem Gefühl von Hoffnung und Zuversicht zurückzulassen. Neben vielen anderen Emotionen, durch die ich noch länger in dieser wunderbaren Geschichte verweilen konnte...



Erster Satz
Der schwarze Vulkan hatte lange geschlafen.

Lesegewohnheiten-Stöckchen

Beim Papiergeflüster habe ich dieses Stöckchen entdeckt und mitgenommen:

1. Zu welcher Tages- oder Nachtzeit liest du am liebsten?

Eigentlich immer, sobald ich Zeit dafür finde. Morgens ist es ein entspannter Start in den Tag (mache ich aber nur am Wochenende und im Urlaub, da ich mich gerne mal festlese). Direkt nach der Arbeit lese ich nur, wenn ich dringend etwas zum Ausschalten brauche und der Tag einfach nur Mist war. Meistens lese ich abends, dummerweise fange ich aber auch noch kurz vor der Schlafenszeit an - und bin fest davon überzeugt, nach 30 Minuten aufhören zu können. Meistens geht das aber ziemlich daneben...


2. Wo liest Du?

Größtenteils im Bett. Mein 2er-Sofa ist einfach zu klein zum "lang" machen (und dabei habe ich nur eine hobbitartige Größe). Ansonsten noch auf meiner Liege auf der Loggia, im Bus, an der Haltestelle und in der Mittagspause an meinem Schreibtisch.


3. Wenn du im Bett liest (liegend), liegst du am liebsten auf dem Rücken oder auf dem Bauch?

Auf dem Bauch! Mit einer warmen Fellkugel auf dem Rücken oder den Beinen.

4. Welche Art von Büchern liest du am liebsten?

Fantasy, historische Romane (kommt aber sehr auf den Inhalt und Handlungsort an), Katzenromane, Bücher die am Meer oder in bestimmten Ländern spielen, Romane über Kelten und Mythen, ...

5. Welches Buch hast du zuletzt gekauft?

Ich war zuletzt beim Club Bertelsmann und habe dort die beiden erschienenen Bücher aus der neuen Serie Lieblingsbücher - die kleine feine Reihe mitgenommen.
Jane Austen - Stolz und Vorurteil (kenne ich schon, aber die Ausgabe sieht einfach so toll aus)
Susanna Tamaro - Geh, wohin dein Herz dich trägt

6. Was hast du zuletzt gelesen?

Samantha Hunt - Nixenkuss

7. Was liest du im Moment?

Patricia A. McKillip - Erdzauber

8. Benutzt du Lesezeichen oder knickst du die Seiten (Eselsohren)? Wenn du ein Lesezeichen benutzt, was benutzt du?

Eselsohren?! Sowas geht bei mir gar nicht, ich benutze immer ein Lesezeichen. Habe da auch mehrere Lieblinge: ein von meinem Bruder aus Irland mitgebrachtes, eins mit einem tollen Strandmotiv, eins zeigt die Hamburger Speicherstadt, dann ein Leuchtturm - und für den Winter natürlich ein Elchmotiv.

9. Was hälst du von Hörbüchern?

Die höre ich gerne nebenbei, wenn ich mit dem Alltag beschäftigt bin und koche, putze, Wäsche mache. Oder als Trösterchen wenn ich krank bin oder mich mal wieder die Migräne plagt.

10. Und was hälst du von eBooks?

Das ist gar nichts für mich, ich brauche "richtige" Bücher.


Wer möchte jetzt das Stöckchen übernehmen?

Neue Mitbewohner der letzten 5 Wochen...

In den letzten Wochen ist mein SuB wieder ordentlich gewachsen.
Meine Zugänge aus gebrauchten und neuen Büchern will ich euch natürlich nicht vorenthalten:

  • Peter S. Beagle - He! Rebeck!
    Ein sprechender Rabe und Lebende, die die Ruhe der Geister auf dem Friedhof stören.
  • Kristin Falck - Die Hüter der Wolken
    Ich mag Wolken, und bin gespannt wie Arild mit ihnen spricht.
  • Jon Fosse - Das ist Alise
    Norwegen. Erinnert mich vom Inhalt her etwas an "Fort" von Jane Urquhart.
  • Linda Olsson - Die Dorfhexe
    Schweden. Eine Trost suchende Witwe und eine als Dorfhexe verschrieene geheimnisvolle Frau.
  • Simon Garfield - Lila
    Wie meine Lieblingsfarbe die Welt veränderte...
  • Peter Exinger - Modrow
    Katzengeschichten mit einem süßen Cover!
  • Sheridan Hay - Die Antiquarin
    Über die Liebe zu Büchern und die Liebe an sich... Im Buchladen festgelesen, es wollte einfach mit!
  • Kai Meyer - Die Wellenläufer
    Der erste Teil, in der neuen Ausgabe mit dem schicken braun-silbernen Cover voller Muscheln.
  • Erin Hunter - In die Wildnis (Warrior Cats 1)
    Wilde Katzenclans und ein Hauskater, der ein Kampfkater werden möchte. Bin gespannt!
  • Susanna Tamaro - Geh, wohin dein Herz dich trägt
    Aus der Lieblingsbücher-Reihe von Bertelsmann. Dürfte auch mein erster Roman eines italienischen Autors sein...
  • Marion Grillparzer, Martina Kittler - Glyx-Diät. Das Kochbuch
    Neue Anregungen kann man immer gebrauchen...
  • Marion Grillparzer, Martina Kittler, Cora Wetzstein - 33 magische Suppen
    Suppenzeit!

Diana Marcellas - Mutter Ozean, Tochter See

Erscheinungsjahr: 2000
Gelesen im September 2008

Lange lebte das Volk der Sharia friedlich mit dem Seevolk zusammen, das sich an den Küsten des Sharia-Landes angesiedelt hatte. Doch die Angst der einfachen Leute vor den besonderen Kräften der Hexen wuchs – und gipfelte in einem schrecklichen Kampf, an dessen Ende sich nur wenige Sharia-Frauen retten konnten. Die junge Brierley ist eine der letzten Nachfahrinnen ihres einst so stolzen Volkes. Unerkannt lebt sie in einer der feindlichen Städte – bis eines Tages ihr Geheimnis entdeckt wird und für die Frau mit den geheimnisvollen Kräften eine gefahrvolle Reise beginnt...

Brierley lebt zurückgezogen auf einer kleinen Insel, wo sie ein Versteck ihrer Vorfahrinnen entdeckt hat. Unter anderem findet sie dort auch Tagebücher anderer Sharia-Hexen, in denen sie nach Hinweisen auf die Vergangenheit sucht. Denn sie fragt sich oft, ob ihre Vorfahrinnen wirklich so böse waren, wie es die Geschichten des Seevolks erzählen. Sie lässt sich als Heilerin von ihrer Gabe leiten und spürt vorab, wann sie wo gebraucht wird. Besonders gefällt mir die Art ihrer Magie, die Heilung erfolgt nicht einfach mit einem Fingerschnippen, sondern sie muss einen Teil der Schmerzen auf sich nehmen und später in einer Art Traum gegen das Untier antreten, welches sie nur mit ihrer Willensstärke bezwingen kann.

Die Geschichte wird sowohl aus Brierleys als auch aus Melfallans Sicht geschildert, welcher erst kürzlich zum Herzog geworden ist und sich nun mit politischen Interessen herumschlagen muss. Beide Charaktere werden detailliert eingeführt, man muss sie einfach mögen – auch wenn das schnell zeigt, wohin uns diese Geschichte führt. Trotzdem gibt es einige Überraschungen, besonders was die Magie der Sharia-Hexen und ihre Hinterlassenschaften betrifft.

In diese Welt konnte ich so richtig schön abtauchen, und habe mich auf keiner Seite gelangweilt. Es geht zwar um die Verfolgung der Hexen, um Macht und Politik – aber es bleibt auch genug Zeit für emotionale Momente, Freundschaft und die Gedanken der Figuren. Ein schönes Gesamtpaket, das liebevoll geschnürt wurde und ohne unnötige Action und perfekte Personen auskommt.
Der einzige Wermutstropfen war für mich, dass die Folgebände nicht mehr übersetzt wurden. Der Verlag hat nach eigenen Angaben aufgrund des in Deutschland nicht besonders großen Marktes für klassische Fantasy Ende 2004 beschlossen, sich in diesem Bereich nicht weiter zu engagieren. Die Geschichte kann man aber auch gut einzeln lesen, da sie einigermaßen abgeschlossen ist – auch wenn natürlich die Neugier auf die weiteren Entwicklungen bleibt.


Erster Absatz
Wenn die zweite Sonne langsam im Meer versinkt, kriechen die Schatten der Inseln an den Hängen der Küste empor, und die ausgefranste Silhouette der Bäume wird länger und länger; nach und nach verblasst das Grün jeder Schwarzkiefer und jeder Immerweide zu einem dunklen Schemen. Die letzten Sonnenstrahlen werden von der nackten Felswand zurückgeworfen, erwärmen die dünne Erdschicht der höher gelegenen Plateaus und beleuchten schließlich den Saum der obersten Baumreihe. Über dem Gipfel des Willenden geht im Osten der erste Abendstern auf, wie ein Leuchtfeuer für alle Wanderer, die ihren Heimweg antreten.

Mitbringsel aus Hamburg

Von meinem verlängertem Wochenende habe ich folgendes mitgebracht:

  • Merian live! Hamburger Spaziergänge
    Einer davon wurde in leicht abgewandelter Form auch gleich gemacht...
  • Alessandro Baricco - Oceano Mare
    Das steht schon länger auf meiner Wunschliste, wieder ein Meerbuch!
  • Anne B. Ragde - Der Arsenturm
    Norwegen für 5 € musste auf jeden Fall mit.
  • Ralf Schmitz - Schmitz' Katze
    Ich mag sowohl den Humor von Ralf Schmitz als auch Katzen - die Kombi hat mir gut gefallen, sehr amüsant.

Ralf Schmitz - Schmitz' Katze

Erscheinungsjahr: 2008
Gelesen im September 2008

Hunde haben Herrchen, Katzen haben Personal.
Ralf Schmitz muss es ja wissen, denn seit 23 Jahren lebt er mit seiner Katze Minka zusammen. Wie WG-tauglich seine Mieze ist, davon erzählt der beliebte Comedian in seinem ersten Buch: Was tun, wenn die Katze aufs Klo muss, sich den Magen verrenkt, in die Pubertät kommt, das Liebesleben empfindlich stört oder an Alzheimer leidet? "Schmitz' Katze" ist pickepackevoll mit witzigen Anekdoten, hilfreichen Tipps und lustigen Gags, bei denen nicht nur Katzenfreunde auf ihre Kosten kommen!

Auch in seinem Buch ist Ralf Schmitz so witzig wie man ihn kennt, manchmal schießt er dabei etwas über das Ziel hinaus - was aber auch lustig sein kann. Jedenfalls hatte ich vom Lachen oft Tränen in den Augen. Außerdem war da in meinem Kopf seine Stimme, obwohl ich doch gar nicht soviel von ihm gesehen bzw. gehört habe.

In "Schmitz' Katze" erzählt er über sein langes Zusammenleben mit Minka. Wie er zu ihr kam, die Probleme der Namensfindung, ihre Erlebnisse und Angewohnheiten, Unterschiede beim Zusammenleben mit Katzen und Frauen, Fähigkeiten, was man von Katzen lernen kann, Unterschiede zwischen Hunden und Katzen, ... Dabei fließen auch Geschichten von Familie und Bekannten mit ein, z.B. frisst Kater Bingo nur, wenn er gestreichelt wird.
Aufgelockert wird das sehr unterhaltsame und liebevoll zusammengestellte Buch durch viele private Fotos, Zeichnungen (z.B. zur Verdeutlichung der berüchtigten 5 Minuten) und einem süßen Ralf & Minka-Comic.

Gleichzeitig vermittelt der Autor aber auch etwas Katzenwissen, beispielsweise über die Ausstattung und Fehler beim Eingewöhnen. Und es gibt viele "Wussten Sie eigentlich, ..."-Felder mit mehr oder weniger nützlichen Fakten. Für Katzenkenner ist da kaum etwas neues dabei - dafür aber vielleicht bei der Geschichte, was wohl mit den ganzen verlorenen Halsbändern geschieht. Oder warum Katzen so gern in Kartons liegen, das hat nämlich durchaus einen Zweck (wie ich nun weiß). Und durch Busters Tagebuch kann man einen Tag im Leben eines coolen Katers verfolgen...

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Erster und zweiter Absatz
"Du gehst ja ab wie Schmitz' Katze."
Wissen Sie, wie oft ich diesen Satz in meinem Leben schon gehört habe? Das können Sie sich gar nicht vorstellen. Ich habe auch irgendwann aufgehört zu zählen. Aber es stimmt ja. Ob es das allerdings war, was mich dazu gebracht hat, dieses Buch zu schreiben... ich weiß es ehrlich gesagt nicht.
Es gibt in meinem Leben so viele Berührungspunkte mit diesem Tier, dass ich manchmal glaube, ich wusste sogar noch eher, dass ich mal mit so einem Pelzbällchen zusammenleben werde, bevor mir klar war, Schauspieler oder Komiker werden zu wollen. Und das war auch schon sehr früh.

Ben Gadd - Rabens Ruh

Erscheinungsjahr: 2002
Gelesen im September 2008

Bei einem abenteuerlichen Sturz hat Colin sein Gedächtnis verloren. Nicht einmal an seinen Familiennamen kann der Rabe sich erinnern. So gewährt ihm die Schar von Rabens Ruh Aufnahme in ihrer Mitte. Hier erfährt Colin von der Schönheit und den Geheimnissen der kanadischen Rockies und wird in das tägliche Zeremoniell des Rabenlebens eingewiesen: von der morgendlichen Flatter unter Leitung des Hauptraben H. R. bis zum Flugballett im letzten Tageslicht, bei dem ambitionierte Flugtechniken perfektioniert werden.

Colin hat Glück im Unglück, denn nach seinem Absturz wird er von Zack gefunden - einem hilfsbereiten Raben, der ihn mit zur Schar von Rabens Ruh nimmt und unterstützt. Dort hat es Colin nicht einfach, erinnert er sich doch bis auf seinen Namen an nichts mehr. Er weiß nichts über das richtige Verhalten unter Raben, über Feinde und Gefahren. Mit der Hilfe seiner neuen Freunde, allen voran dem Paar Zack und Molly, findet er sich aber bald besser zurecht und bringt sich in die Schar ein. Er stellt viele Fragen und will auch Dinge wissen, die die meisten Raben nicht interessieren - es zeigt sich schnell, dass er da etwas anders ist, und nur von der älteren Rabin Greta verstanden wird.

Wir begleiten die Schar ein Jahr lang, entdecken mit Colin die Welt der Raben und verfolgen den Wechsel der Jahreszeiten. Man erfährt die Sichtweise der Raben auf uns Menschen, ihren Glauben, den Zusammenhalt untereinander und ihre Rituale. Es herrscht nicht immer eitel Sonnenschein, sondern es gibt auch Gefahren und Auseinandersetzungen - so ist das Leben eben. Dazu fand ich auch die Ansichten von Greta wunderbar.
Die Beschreibung der Natur hat mir sehr gefallen, detailliert und mit tollen Bildern. Die verschiedenen Winde konnte ich förmlich spüren, und ich habe noch nie so etwas lebensfrohes wie den Abendflug verfolgt. Außerdem haben mich noch Colins Gespräche mit den anderen Tieren fasziniert, seine Neugier und Klugheit.

Das Buch hat soviel Atmosphäre, ich konnte es nur schwer zur Seite legen und habe es von der ersten Seite an genossen. Man spürt, dass der Autor in diese Geschichte viel Herzblut gesteckt hat - die sensiblen und liebevollen Schilderungen sprechen da ihre ganz eigene Sprache!


Erster Absatz
NOCH NIE HATTE er einen solchen Traum gehabt. Er stürzte - er fiel so schnell, dass die Luft in seinen Ohren dröhnte und an seinen Federn riss.
"Hochziehen!"
Er öffnete die Augen. Er breitete die Flügel aus. Fast hätte sie ihm der Luftzug abgerissen.
"Ork!" schrie der Rabe, der jetzt hellwach war. Er fuhr nur die Spitzen seiner Flügel aus, was ihn ein wenig abbremste. Er breitete die Schwanzfedern aus, was ihn noch stärker bremste. Er breitete die Flügel noch weiter aus.
Jetzt war der Boden ganz nahe! Gleich würde er aufschlagen...
Plumps!
Der Rabe blickte durch den Wacholderbusch, der seinen Sturz gedämpft hatte, nach oben. Er blinzelte, öffnete den Schnabel und sagte: "Krork!"

Katja Brandis - Der Verrat der Feuer-Gilde (Kampf um Daresh 1)

Erscheinungsjahr: 2002
Gelesen im September 2008

Eine machtgierige Regentin herrscht über das Reich Daresh und stiftet Intrigen innerhalb der vier Gilden, die Wächter über Feuer, Luft, Erde und Wasser sind. Die junge Rena wollte schon immer der Feuer-Gilde angehören, und als sie die kampflustige Alix trifft, sieht sie sich ihrem Ziel ganz nah. Doch die Schmiedin ist auf der Suche nach einem Verräter in den Reihen der eigenen Feuer-Leute, der geheime Nachrichten an die Regentin weitergibt. Unvermittelt wird Rena hineingezogen in die blutigen Fehden zwischen den vier Gilden Dareshs. Ein Bürgerkrieg scheint unvermeidlich, denn die Herrscherin spielt eine Partei gegen die andere aus. Es gibt nur einen Ausweg: Rena und Alix müssen alle Beteiligten dazu bringen, Frieden zu schließen und eine gemeinsame Lösung zu finden. Und so begeben sich die Freundinnen auf eine Reise durch die Provinzen Dareshs, um ihr Land zu retten...

Jeder Bewohner von Daresh gehört von Geburt an zu einer der vier Gilden. Die jeweilige Gilde prägt dann sein Leben - Fähigkeiten, Glauben, Gewohnheiten, Bündnisse, Feindschaften, ... Mitglieder derselben Gilde werden wie Verwandte behandelt, auch wenn man diese noch nie zuvor gesehen hat.
Rena gehört zur Erd-Gilde, möchte aber viel lieber zu der für sie spannenderen Feuer-Gilde gehören. Dieser Wunsch lässt sich allerdings nicht so einfach verwirklichen. Zwar wurde sie noch in keine größeren Geheimnisse der Erd-Gilde eingeweiht, aber ihre Erziehung steckt tief in ihr - außerdem hat sie noch von keinem gehört, der die Gilde gewechselt hat.

Nach einem Zwischenfall, an dem ihre Neugier nicht ganz unschuldig ist, muss sie fliehen und trifft schließlich auf Alix. Zusammen reisen sie durch Daresh, und begegnen dabei nicht nur Menschen der verschiedenen Gilden, sondern auch Halbmenschen. Wesen, die halb Tier und halb Mensch sind - z.B. Hirschmenschen, Iltismenschen oder Natternmenschen.

Sehr gut gefallen haben mir die Unterschiede zwischen den verschiedenen Gilden, sowohl was die Lebensart als auch die speziellen Fähigkeiten betrifft. Rena kann sich beispielsweise nicht nur in die Erde einbuddeln, sondern auch die Gespräche der Bäume verfolgen. Während andere Gildenmitglieder nur ein Blätterrauschen hören, lauscht sie vielleicht den Gedichten der Bäume.
Auch die Beschreibung der verschiedenen Provinzen nahm mich gefangen - es gibt einige Eigenheiten und tolle Ideen. Da wären beispielsweise die Phönixwälder in Tassos (der Provinz der Feuer-Gilde), die sich selbst entzünden, um so auf dem kargen Boden an Dünger zu kommen. Oder das Grasmeer in Nerada (der Provinz der Luft-Gilde), welches nichts mit Wasser zu tun hat, sondern ein Teppich von bläulichen Halmen einer bestimmten Grasart ist.

Und auch die Geschichte an sich, die verschiedenen Figuren und ihre Entwicklung, fesselte mich. Zu den Charakteren hatte ich einen guten Zugang, es gab einige Überraschungen und nur ein paar Entwicklungen konnte ich erahnen. Nach und nach kamen auch einige Details ans Tageslicht, allerdings hätte ich mir da mehr gewünscht - ich wäre gerne noch tiefer in diesem Buch versunken. Wahrscheinlich auch, weil mir diese elementelastige Welt so gut gefallen hat. Also ein gutes Zeichen, die Folgebände sind schon auf meinen Wunschzettel gehüpft...


Mehr Infos über die Welt von Daresh gibt es hier.

Erster Absatz
Rena saß auf dem Kutschbock des Karrens, der sie gleich in die Felsenburg der Regentin bringen würde, und versuchte ruhig zu bleiben. Sie zupfte die helle Leinentunika glatt, die sie sich für den Anlass geliehen hatte, und polierte ihr Gildenamulett mit der Handfläche. Ihr Onkel flüsterte ihr ins Ohr: "Ganz locker bleiben. Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass sie uns nicht reinlassen, weil du dabei bist."

Alfred Bekker - Das Reich der Elben

Erscheinungsjahr: 2007
Gelesen im August 2008

Das weise Volk der Elben hat die sterbliche Welt verlassen und sucht nach den Gestaden der Erfüllten Hoffnung. Jenseits des großen Meeres finden sie schließlich einen unbekannten Kontinent, doch in der neuen Welt lauern innere und äußere Feinde...

Die Geschichte des ersten Bands der Elben-Trilogie wurde in zwei Teile gegliedert. Im ersten geht es um die Ankunft und die Erlebnisse auf der Insel des Augenlosen Sehers, welche nur ein paar Tage umfassen. Es passiert viel - allerdings wird sich dafür im Vergleich zum zweiten Teil, in dem es um den Aufbau des Elbenreiches und der Entwicklung der königlichen Nachkommen geht, zuviel Zeit gelassen. Dieser erscheint mir nämlich mehr wie eine kurze Zusammenfassung, eine sachliche Aneinanderreihung von Ereignissen.

Das Buch lässt sich zwar ganz gut lesen, da es recht flüssig geschrieben ist, aber mir fehlt jegliche Atmosphäre. Es wirkt oberflächlich und irgendwie lieblos, als ob selbst der Autor keinen Bezug zu den Figuren aufbauen konnte. Wie soll mir das da gelingen? Die Charaktere werden nur angekratzt, wir erfahren kaum Details über sie. Das mag ich überhaupt nicht, ich will etwas über ihre Gedanken und Gefühle, ihre Vergangenheit erfahren. So aber fehlte mir jeglicher Zugang – selbst zu den drei Elben, die für mich etwas hatten und auch genug Stoff für mehr Details boten.

Wirklich genervt war ich von der ewigen Betonung der sensiblen Elbensinne, teilweise mehrmals pro Seite. Der Autor könnte seinen Lesern ruhig etwas mehr Intelligenz zutrauen, und hätte den Platz der ewigen Wiederholungen lieber für mehr Details, Atmosphäre oder ein Glossar nutzen sollen. Das gibt es nämlich auch nicht, dafür bekommt jede Figur noch einen Beinamen mit seiner Gabe (z.B. Lirandil der Fährtensucher), welcher fast immer genannt wird. Und dann gibt es bei einigen Namen noch eine starke Ähnlichkeit zu Tolkien-Namen, als erstes bin ich da über Ygolas den Bogenschützen gestolpert.

Ich kann diese blasse, leicht vorhersehbare Geschichte ohne Tiefgang einfach nur schnellstmöglich verdrängen und werde zukünftig einen riesengroßen Bogen um diesen Autor machen (Achtung, es gibt da auch einen neuen Zyklus namens Drachenerde).
Und ganz demütig bis Ende des Jahres auf “meine” Elfen warten...

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Erster Absatz
"Land in Sicht!"
Der Ruf vom Ausguck schallte durch das wabernde Grau der Nebelschwaden. Wie amorphe, vielarmige Ungeheuer wirkten sie. Manchmal war der Nebel so dick, dass die einzelnen Schiffe der Elbenflotte selbst aus nächster Nähe nur als dunkle Schemen zu erkennen waren.
König Keandir straffte seine Gestalt. Seine Rechte umfasste den bernsteinbesetzten Griff des Schwerts mit der schmalen Klinge, das er an der Seite trug. Seine Haut war von vornehmer Blässe, und sein schmales, hageres Gesicht wirkte wie gemeißelt und zeigte einen Ausdruck sogleich von Strenge als auch von Ernsthaftigkeit. Spuren tiefer Sorge um sein Volk hatten sich in diesem Gesicht verewigt, seit Keandir das Königsamt von seinem Vater übernommen hatte, und in das schulterlange schwarze Haar mischten sich die ersten grauen Strähnen. Spitze Ohren stachen durch dieses glatte Haar - Ohren, die ebenso empfindlich und sensibel waren wie auch die anderen Sinne des Elben.

Zitate: Joan Anderson - Ein Jahr am Meer

Wenn jemand etwas Neues erfährt, ein glückliches Erlebnis hat, dann ändert sich die Stimmung, dann ändert sich das Herz. Deshalb kann es einen Menschen auf einen völlig neuen Weg bringen, wenn er sich die Zeit nimmt zu sehen, zu hören, offen zu sein für Bilder und Vorstellungen, die sich aus neuen Erfahrungen entwickeln.
Clarissa Pinkola Estés, "Die Wolfsfrau"

Tiere können uns im täglichen Leben, bei unseren Träumen und Meditationen helfen. Da sie vor den Menschen erschaffen wurden, sind sie der Quelle näher und können uns auf unserer Suche nach Ganzheit als Verbündete, Führer und Schutzgeister dienen.
Eine Innuit-Frau

Ich schaue auf den herbstlichen Strand, den alten weißen Leuchtturm, der zu meiner Linken aufragt, das sanft ans Ufer schwappende Wasser zu meiner Rechten und das sienafarbene Dünengras unter meinen Füßen. Ein Chrysippusfalter, der längst hätte nach Brasilien aufbrechen sollen, kreist um meinen Kopf. "Vielleicht brauchst du auch noch ein bisschen zusätzliche Zeit am Meer", sage ich zu ihm, während er auf meiner Schulter landet und die Flügel zuklappt.

Mehr als alles andere wünsche ich mir, von der Brandung hinausgespült und vom Salzwasser getragen zu werden. Aber die Realität hält mich am Ufer fest. Ich muss mich eingraben wie ein Krebs oder eine dicke Muschel und Bestandsaufnahme machen, während die Flut über mich hinwegspült.

Joan Anderson - Ein Jahr am Meer

Erscheinungsjahr: 2002
Gelesen im August 2008

Etwa im Alter von 50 - die Söhne sind aus dem Haus, die Ehe ist eher von Gleichgültigkeit geprägt, das Leben geht seinen Gang - tut Joan Anderson etwas, das für alle, nicht zuletzt sie selbst, völlig überraschend ist. Ohne einen äußeren Anlass dafür zu haben, folgt sie ihrem Mann nicht zu seinem neuen Job an die Westküste, sondern reist ans Meer, ans Cape Cod, wo die Familie ein kleines Cottage hat. Sie tut es, weil sie einen neuen Lebensrhythmus finden will, und taucht mit einigen Befürchtungen, aber auch entschlossen in die neue Erfahrung ein - nicht ohne sich selbst gelegentlich zu fragen, ob sie nicht einfach nur ein verwöhntes Gör sei...

Das Jahr wurde in 16 Kapitel eingeteilt, welche jeweils mit einem Zitat beginnen (z.B. von Rainer Maria Rilke und T.S. Elliot), und so schöne Namen wie “Seehundgefühl” und “Wellen der Wahrheit” tragen. Schon nach ein paar Seiten fesselte mich die Geschichte – ich wollte wissen, was dieses Jahr am Meer der Autorin gebracht hat, was für Erkenntnisse sie gewonnen und wie sie sich verändert hat. Außerdem kam mir einiges sehr bekannt vor, man muss “funktionieren”, und verliert dabei die Verbindung zu sich selbst.

Neben den tollen Natureindrücken hat es mir vor allem die Tiefe dieses Romans angetan. Ich konnte die innere Zerrissenheit und Unsicherheit förmlich spüren. Die Auseinandersetzung mit sich selbst, das Erforschen der eigenen Person mit seinen Wünschen und Zielen – all das fand ich sehr gut beschrieben, nachvollziehbar und sensibel. Eine Motivation, sich die Zeit zu nehmen, um sich selbst (wieder) kennen zu lernen, stärker auf Körpersignale und Wünsche zu achten.

Die Geschichte bietet auch ein paar besondere Momente, an die ich gerne zurückdenke. Meist sind sie geprägt von der Achtung vor Tieren und der Natur, was auch meiner persönlichen Einstellung entspricht. Und es ist wie eine Art Bestätigung, davon zu lesen – auch von Dingen, die mir gefallen und gut tun.
Das Buch werde ich auf jeden Fall wieder lesen, besonders geeignet erscheint es mir auch für Krisenzeiten, und die Fortsetzung “Spaziergang am Meer” ist natürlich schon auf meiner Wunschliste gelandet.


Erster Absatz
Die Entscheidung, uns zu trennen, fiel sozusagen über Nacht. Mein Mann kam eines Abends von der Arbeit nach Hause und verkündete, er habe eine neue Stelle Hunderte von Kilometern entfernt angenommen. Während er sich über die Einzelheiten ausließ, saß ich mit leerem Gesicht da und suchte nach einer Ausrede, um ihn nicht begleiten zu müssen. Schließlich waren unsere beiden Söhne erwachsen, das geräumige alte Haus, in dem wir seit siebzehn Jahren wohnten, war längst zu groß für uns geworden und meine Tätigkeit konnte ich überall ausüben. Woher kam also mein Widerstand? Warum war ich wie erstarrt, verängstigt und voller Wut?


Herzlich Willkommen in meiner fantastischen Bücherwelt - ich freue mich, dass du den Weg hierher gefunden hast, und hoffe, dass es dir hier gefällt.

Auf meinem Lesetisch stapeln sich:
Susanne Gerdom - Elbenzorn
Yasmine Galenorn - Die Hexe
Tolkiens Geschöpfe

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Über mich

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Als lesende Weltenwandlerin bewege ich mich bevorzugt in fantastischen und historischen Welten. Ich bin eher der emotionale Leser und mag es, wenn ich in Figuren so richtig eintauchen kann. Manche bleiben dann noch etwas länger bei mir oder entwickeln sich gar zu dauerhaften Gästen.

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